Rohstoffpreise

Für Sie als Einkäufer ist es äußerst wichtig sämtliche Rohstoffpreise im Auge zu behalten. Mit Rohstoffeinkauf aktuell kostet Sie das keine Mühe mehr.

Rohstoffpreise: "Überleben" beim Stahl- und Rohstoffeinkauf

Die Etwas-geht-immer-Haltung ist der erfolgsentscheidende Unterschied bei den Rohstoffpreisen.

Die aktuelle Situation auf den Rohstoffmärkten bringt so manchen Einkäufer zum Schwitzen. Ein harter Brocken für viele Einkaufsabteilungen ist seit 2003 die Stahl- und Edelstahlbeschaffung. Das Wichtigste ist hier, nicht zu resignieren, sondern darauf zu vertrauen, dass trotzdem Erfolge möglich sind.

Beachten Sie: Wer glaubt, dass nichts möglich ist, wird gar nicht erst versuchen, etwas zu erreichen - eine gefährliche Haltung!

Rohstoffpreise: Marktkenntnisse

Ohne genaue Informationen und Kenntnisse der aktuellen Marktlage bei den Rohstoffpreisen sind erfolgreiches Einkaufen und das Abwehren von Preiserhöhungen nicht möglich. Natürlich nutzen die Lieferanten die Marktsituation zum Geldverdienen, bis der Arzt kommt. Je mehr Informationen Sie von Marktkennern vorliegen haben, desto genauer wird das Bild, das Sie sich machen. Es fällt Ihnen leichter, zwischen Gerücht und Tatsache zu trennen. Erstaunlich viele Einkaufsabteilungen haben hier ein großes Informations-Defizit. In solchen Situationen sind natürlich auch Informationen von einem funktionierenden, persönlichen Netzwerk aus Ein- und Verkäufern hilfreich. Als zusätzliche Informationsquellen bieten sich spezielle Verbände (www.verbaende.com) und die Rechercheabteilungen der Großbanken an.

Rohstoffpreise: Preiserhöhungen kompensieren

Besonders in den Rohstoffmärkten ist es einfach so, dass sich nicht jede Rohstoffpreise-Steigerung abwehren lässt. Kartellähnliche Marktstrukturen, Absprachen und Spekulanten nehmen Einfluss auf die Märkte. Der jetzt da-kann-man-nichts-gegenmachen- sagende und schulterzuckende Einkauf ist nicht zeitgemäß. Das, was Sie zum Beispiel durch Erhöhungen beim Stahlpreis an Geld verlieren, müssen Sie durch Einkaufsaktionen und -initiativen in anderen Produktbereichen wieder hereinholen.

Rohstoffpreise: Alle in der Firma sind gefordert

Ob Verkauf, Technik oder Geschäftsleitung - jetzt müssen alle an einem Strang ziehen. Bisherige Abläufe und Gewohnheiten gehören auf den Prüfstand. Im Team muss geprüft werden, ob die drohende Preiserhöhung nicht schon allein durch die Änderung der technischen Spezifikation abgefangen werden kann. Die Technik, wie auch der Verkauf, darf sich hier nicht vor der Verantwortung drücken.

Rohstoffpreise: 5 Praxis-Tipps für den Stahleinkauf

  1. Bündeln Sie den Bedarf mehrerer Warengruppen.
  2. Vermeiden Sie zu hohe Spezifikationen, die den Lieferantenkreis einengen.
  3. Schalten Sie Zwischenhändler-Margen aus, indem Sie nur direkt beim Hersteller kaufen oder bei Stahlverarbeitern, die dies praktizieren.
  4. Stellen Sie die gesamte Spezifikation auf den Prüfstand. Vielleicht haben sich die Produktionsanforderungen längst geändert, aber es wird immer noch nach der alten Spezifikation bestellt.
  5. Fragen Sie Ihre Stahlgüten nach den internationalen Normen an und nicht nach den deutschen DIN-Normen. Dadurch erweitern Sie den Lieferantenkreis.

Rohstoffpreise: 5 Praxistipps zum Stahl- und Rohstoffeinkauf

  1. Machen Sie sich mit den Märkten vertraut
    Sie müssen zum Markt-Insider werden! Sie müssen die Marktspielregeln und -mechanismen kennen.
    Beachten Sie: Einkaufen ist ein Informationsberuf - ohne detaillierte Marktkenntnisse und deren Besonderheiten haben Sie in Verhandlungen keine Chance.

  2. Intensivieren Sie die Lieferantensuche
    Sie besitzen keine 100%ige Markttransparenz. Das bedeutet, dass es immer irgendwo auf der Welt leistungsstarke Lieferanten gibt, die Sie bisher noch nicht gefunden haben.
    Beachten Sie: Es gibt wenig echte Monopolisten - die meisten sind hausgemacht.

  3. Ersatzmaterial verwenden
    Hier sind besonders Ihre Techniker und Konstrukteure gefragt. Muss es unbedingt dieses Material sein? Ist die jetzige Materialstärke notwendig?

  4. Gekonnt verhandeln
    Sehr viele EinkäuferInnen lassen sich zu schnell beeindrucken: von der Größe des Lieferanten, seiner (angeblichen) Marktmacht, den (platten) Behauptungen vieler Verkäufer etc.
    Hier wird vor allem eines deutlich: Wenn Sie den Markt nicht kennen (siehe Punkt 1), haben Sie kaum eine Chance in der Verhandlung. Wie wollen Sie die richtigen Fragen stellen? Was wollen Sie fordern?
    Beachten Sie: Verhandlungen sind selten Einbahnstraßen.

  5. Preisarbeit
    Wir akzeptieren keine pauschalen, nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen. Lieferanten, die unbedingt die Preise erhöhen wollen, müssen ihre Kostenstruktur offen legen (Open Book).

Rohstoffpreise: Nickel-Rekordpreis ade - endlich geht es abwärts

An der Londoner Rohstoffbörse LME ist der Preis deutlich unter 23.000 US-Dollar pro Tonne gefallen

Das ist allerdings für Edelstahl-Einkäufer noch kein Grund zum Aufatmen. Aktuell sieht es an der Stahlpreis-Front für Stahlkäufer und -verarbeiter sehr düster aus. Lediglich die Rohstoffzulieferer, die Stahlhersteller und -händler melden einen Rekordgewinn nach dem anderen.

Explodierende Rohstoffpreise

Die Schuldigen für die gewaltigen Stahlpreiserhöhungen 2008 sind für die Stahlkocher schnell ausgemacht - die eigenen Vorlieferanten für Eisenerz, Kokskohle, Stahlschrott, Zuschlagstoffe, Legierungsmittel und Energie. Lediglich ein Teil dieser Preissteigerungen wird weitergegeben, aber diese Argumentation kennen wir ja.

Beachten Sie: Es ist eine Tatsache, dass ein Großteil der Vormaterialpreise der Stahlhersteller extrem gestiegen ist. Das bedeutet jedoch keinesfalls ein automatisches Akzeptieren von Preissteigerungen.

Laut Destatis wurden im April 2008 Eisenerze gegenüber dem Vorjahresmonat zu 28,7 % höheren Preisen importiert. Gegenüber März 2008 stiegen die Preise um 21,9 %. Nicht-Eisen-Metallerze waren gegenüber April 2007 um 2,1 % teurer, gegenüber dem Vormonat war ein Preisrückgang von 1,4 % zu verzeichnen. Die Preise für Nicht-Eisen-Metalle und deren Halbzeug sanken gegenüber dem Vorjahr um -8,4 % und gegenüber dem Vormonat um -2,0 %.

Weltwirtschaft im Würgegriff der Rohstoffpreise

Die Ölförderländer und die Bergbaukonzerne sind die großen Gewinner des globalen Wirtschaftsbooms. Ihr Reichtum steigt ins Unermessliche und die Marktmacht ebenso. Beispiel Eisenerz: Derzeit beschäftigen sich verschiedene Wettbewerbsbehörden weltweit mit der geplanten Fusion der beiden Minenriesen BHP Billiton und Rio Tinto (der Übernahmekandidat). Insbesondere Stahlhersteller befürchten, im Falle des Zusammenschlusses entstehe ein Konzern, der die Preise für Eisenerz diktieren könnte. Das fusionierte Unternehmen würde etwa 40 % des weltweit verschifften Eisen - erzes kontrollieren.

Beachten Sie: "Bluten" müssen die Stahlkocher weltweit schon seit Jahren. Das Oligopol funktioniert. Eisenerz ist in der jüngsten Vergangenheit jährlich um rund 70 % teurer geworden.

Hier mischt auch die Nr. 2 der Welt mit, der brasilianische Bergbaukonzern Companhia Vale do Rio Doce (Vale). Laut Nachrichtenagentur Reuters akzeptieren die kleineren chinesischen Stahlwerke 2008 eine Preiserhöhung von Rio Tinto in Höhe von 95 % für Eisenerz.

Wie Tom Albanese, Chief Executive Officer von Rio Tinto, dem weltweit drittgrößten Minenkonzern, verlauten ließ, arbeiten die Gesellschaften aufgrund der Rohstoffknappheit an der Kapazitätsgrenze. Dies berge auch die Gefahr, dass die Anlagen und Geräte für Störungen anfälliger werden. Albanese geht davon aus, dass bei einigen Rohstoffen, wie zum Beispiel Aluminium, Eisenerz und Kupfer, das Versorgungsproblem (also das Verhältnis von Angebot und Nachfrage) noch Jahre anhalten wird. Diese Aussage "riecht" stark nach Insider-Interessen.

Stahlerzeuger-Kostenstruktur

Hier sind ein paar Fakten vom Statistischen Bundesamt für Ihre Preisanalyse: Die Kostenstruktur für Hersteller von Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sieht so aus:

56,9 % Materialkosten (inkl. Energie 9,4 %)
2,3 % Handelsware
2,4 % Lohnarbeiten
14,0 % Personalkosten
0,1 % Leiharbeitnehmer-Kosten
5,2 % Dienstleistungen
0,6 % Kostensteuern
0,4 % Mieten und Pachten
4,2 % Abschreibungen
0,4 % Fremdkapitalzinsen
5,6 % sonstige Kosten

Die Stahlhersteller argumentieren mit steigenden Vormaterialkosten. Die typische Einkaufsstruktur der Roheisen-Hersteller sieht so aus:

75 % Rohstoffe
7 % Betriebsstoffe
18 % Brenn-/Treibstoffe und Energie

Bei den Rohstoffen bilden 3 Materialgruppen den "Löwenanteil":

42 % Roheisen und Stahl
11 % Eisenerze
7,8 % NE-Metalle und Halbzeug daraus

Wenn Eisenerz um 70 % teurer wird, dann werden 11 % der Einkaufsstruktur-Kategorie "Rohstoffe" teurer: 11 % x 70 % Preissteigerung = 7,7 % gewichtete Preisveränderung. Wenn beispielhaft nur Eisenerz betroffen ist, dann erhöhen sich die Materialkosten um: 56,9 % x 7,7 % = 4,38 %. Sie sehen, wie aus der sich schlimm anhörenden 70 % Eisenerz-Verteuerung eine Prozentzahl in Skontohöhe wird.

Beachten Sie: Deswegen ist es so wichtig, die Kostenstruktur seiner Lieferanten zu kennen und damit die Erhöhungsforderungen der Rohstoffpreise nachzurechnen.

Rohstoffpreise: Nickel

Der Nickelpreis ist auf das Niveau vom Sommer 2006 gesunken. Die Stahlhersteller zahlen damit für das Legierungsmittel Nickel erheblich weniger.

Rohstoffpreise: Kokskohle

Der Grenzübergangs-Preis für eine Tonne Kokskohle liegt seit einem Jahr bei rund 100 €. Laut Bundesstatistik beträgt der Anteil der festen und flüssigen Brennstoffe 8,4 %. Wird die Kohle teurer, wirkt sich das bei diesem geringen Anteil an den Materialkosten nur marginal aus.

Rohstoffpreise: Chrom

Alle Arten von Stahl mit einem Chromgehalt von über 12 % gehören zur Gruppe der rostfreien Edelstähle. Die chemische Erklärung dafür liegt in der Reaktion des Chroms mit Sauerstoff, die zur Bildung einer Cr2O3-Schicht - der so genannten Passivschicht - führt, welche die Oberfläche überzieht. Die Passivschicht macht den Edelstahl resistent gegen viele aggressive wässrige Medien und Umgebungen.

Auch die Chrompreise sind rasant gestiegen. Kostete Ende 2006 die Tonne FOB Rotterdam auf dem Spotmarkt noch rund 6.000 US-$, waren es Anfang 2008 schon knapp 12.000 US-$.

Beachten Sie: Weitere Legierungselemente für rostfreien Edelstahl sind Mangan, Titan, Vanadium, Molybdän und Wolfram.

Edelstähle werden anhand ihrer Materialeigenschaften in 4 Werkstoff-Gruppen unterteilt:

  • ferritischer Stahl = Chromanteil > 12 %, in der Praxis 13 bis 17 %
  • austenitischer Stahl = Chromanteil > 17 %, Nickelanteil > 8,5 %
  • martensitischer Stahl = Chromanteil > 12 %, Kohlenstoffanteil > 0,1 %
  • ferritisch-austenitischer Stahl = Chromanteil > 17 %, Nickelanteil > 5%

Der Anteil der Legierungsmetalle (NE-Metalle) ist mit 7,8 % noch geringer als der Eisenerzanteil. Damit ist bewiesen, dass auch bei den Stahlkochern das "Mein-Einkauf- ist-teurer-geworden-Argument" benutzt wird, um die Kasse ordentlich zu füllen. Sie werden mit all diesen Zahlen, Daten und Fakten vielleicht nicht die marktmächtigen Stahlriesen überzeugen, niedrigere Verkaufspreise einzuräumen. Für das Ego ist es dennoch nützlich. Sie haben dem Lieferanten gezeigt, dass Sie wissen, wie der Hase läuft (auch wenn er es nie zugibt). Außerdem können Sie bei Preiserhöhungen viel kompetenter gegenüber der eigenen Geschäftsleitung auftreten.

Denken Sie auch daran, dass fast alle Rohstoffe in US-$ gehandelt werden und dieser gegenüber dem Euro rund 40 % an Wert verloren hat. Das bedeutet, die Stahlhersteller haben erheblich günstiger eingekauft. Der schwache Dollar ist übrigens auch ein Grund für die extremen Rohstoffpreise. Wer Rechnungen in US-$ ausstellt, möchte den Währungsverlust natürlich ausgleichen.

Rohstoffpreise: Stahlindustrie macht Kasse

Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Die Stahlproduzenten befürchten einen weltweiten Konjunktureinbruch und wollen in den Märkten vorher noch kräftig "die Sahne abschöpfen". Dass ein nachlassendes Wirtschaftswachstum zu einem geringeren Stahlverbrauch führt, ist klar. Die Kernfrage ist: Was passiert mit den BRIC-Staaten, wenn es in den USA richtig "kracht" - können sie sich abkoppeln?

Entwicklung der Rohstoffpreise von Rohstoffeinkauf aktuell

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