Wochendepesche "Rohstoffalert"

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08.06.2010

Edel- und Industriemetalle



Silber: Die Preise bröckeln wieder


Während Gold seinem Ruf als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten alle Ehre macht und erneut kräftig Fahrt aufgenommen hat (Freitagnotierung: 1.206,95 $/Feinunze), geht es mit den anderen Edelmetalle zum Teil dramatisch abwärts: neben Platin und Palladium auch mit Silber. Im Mai gab der Silberkurs um rund 15 % nach. Begründet liegt dieser Rückgang in besagten unsicheren Zeiten. Denn das "Gold der armen Leute", wie Silber auch genannt wird, ist ein verlässlicher Konjunktur-Indikator. Geht es der Wirtschaft gut, verkaufen die Anleger Gold und kaufen Silber ein. Geht es der Wirtschaft schlecht, wird Gold als Absicherung eingekauft und dafür Silber verkauft. Fazit: Ein neues Preishoch von 19 $/Feinunze und mehr ist auf kurze Sicht eher unwahrscheinlich.

Am Freitagvormittag notierte Silber mit 17,96 $/Feinunze (1 Feinunze = 31,10 g).

Quelle: EMFIS | Für eine Großansicht auf das Bild klicken


London Metal Exchange (LME)


Die schlechten Wirtschaftsnachrichten aus China (gesunkener Einkaufsmanagerindex im Mai von 55,7 auf 53,9 Punkte, unklare Ausrichtung der Finanzpolitik und verlangsamtes Wachstum) wirken sich auch auf den Handel an der LME aus. Mit Ausnahme bei Blei sinken die Preise auf breiter Front.

KW 23 KW 22 KW 21 KW 20
Blei 1.950,50 $/t 1.776,50 $/t 1.719,00 $/t 2.016,00 $/t
Zink 1.740,00 $/t 1.875,00 $/t 1.817,00 $/t 2.072,50 $/t
Nickel 19.200,00 $/t 21.580,00 $/t 21.045,00 $/t 22.675,00 $/t
Kupfer 6.620,00 $/t 6.875,00 $/t 6.499,00 $/t 7.010,00 $/t
Äluminium 1.950,50 $/t 2.003,50 $/t 1.946,50 $/t 2.116,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Es geht weiter seitwärts


Erneut gaben die Aktien- und Devisenmärkte die Richtung für den Ölmarkt vor. Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat die Aktien der Energiekonzerne in der vorigen Woche regelrecht abstürzen lassen und die Notierungen gedrückt - eine psychologische Reaktion der Anleger. Denn zeitgleich sind die Rohöllagerbestände gesunken: minus 500 Tsd. Barrel.

Am Freitagvormittag notierte 1 Barrel (159 l) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit 74,56 $.

KW 23 KW 22 KW 21 KW 20
WTI-Sorte 74,56 $/Barrel 75,07 $/Barrel 69,67 $/Barrel 73,81 $/Barrel


Erdgas: Die 5-Dollar-Linie im Blick


Die Zeit stetig fallender Erdgaspreise scheint vorbei zu sein. Vor allem in den USA fragt eine immer stärker werdende Wirtschaft deutlich mehr Gas nach. Über kurz oder lang werden die Preise wohl weiter steigen.

KW 23 KW 22 KW 21 KW 20
Henry Hub 4,680 $/mmBtu 4,330 $/mmBtu 4,180 $/mmBtu 4,430 $/mmBtu



Chemiemarkt



Keine Spur von Krise


Bei den Standardkunststoffen ist die Nachfrage gut bis sehr gut und die Preise haben inzwischen wieder das Niveau von Juni 2008 erreicht. Je nach Kunststoffart reichen die Zuschläge von 20 €/t bis 120 €/t.
Auch bei den Technischen Kunststoffen ist der Aufwärtstrend ungebrochen. Einer lebhaften Nachfrage steht teilweise nur ein knappes Angebot gegenüber. Durchschnittlich erhöhten sich die Preise um 5 €/t bis 30 €/t. Was sich aber im Mai bereits andeutete, wird sich aller Voraussicht nach im Juni fortsetzen - dank relativ niedriger Ölnotierungen kommen die Preise allmählich zur Ruhe.


Beachten Sie: An der LME ist für Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) besagte Preisberuhigung offensichtlich schon eingetreten.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.305 $/t (-10 $/t) 1.350 $/t (+-0 $/t)
Äsien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.260 $/t (-40 $/t) 1.160 $/t (+-0 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)


Preiserhöhungen der Woche


Dennoch schwingen viele Hersteller immer noch die Rohstoff-, speziell die Öl-Keule. Vermeintlich gestiegene Notierungen müssen für ihre fadenscheinigen Rechtfertigungsversuche herhalten.
  • BASF (www.basf.de) erhöht mit sofortiger Wirkung die Preise für 1,4 Butandiol (BDO) +250 €/t, Tetrahydrofuran (THF) +250 €/t, Polytetramethylenetherglykol (PolyTHF®) +330 €/t, N-Methyl-2-Pyrrolidon (NMP) +250 €/t und Gamma Butyrolacton (GBL) +250 €/t.



Importpraxis



15 %-Zusatzzoll für US-Waren von 19 auf 33 Positionen erhöht


Die neuen EU-Bestimmungen sind bereits seit dem 1. Mai 2010 in Kraft. Hintergrund der Zusatzzölle ist ein Streit zwischen der Union und den USA hinsichtlich des amerikanischen "Continued Dumping and Subsidy Offset Act of 2000" (auch "Byrd-Amendment" genannt). Dieses Gesetz sieht vor, dass in den USA erhobene Antidumping- und Ausgleichszölle an die Unternehmen verteilt werden, die die entsprechenden Antidumpingverfahren angeregt bzw. unterstützt haben.
Mit Zusatzzöllen belegt die EU u.a.:
  • Bekleidung (Mäntel, Anoraks, Kleider usw.)
  • Fertighäuser und Mobilheime
  • Mais
  • Papierwaren (Kalender, Notizbücher u.Ä.)
  • Autokrane
  • Brillenfassungen
Die vollständige Warenliste finden Sie unter:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:094:0015:0018:DE:PDF

Beachten Sie: Ob eine Ware zusatzzollpflichtig ist, können Sie im Internet abfragen:
http://ec.europa.eu/taxation_customs/dds/cgi-bin/tarchap?Lang=DE
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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