Wochendepesche "Rohstoffalert"

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25.05.2010

Edel- und Industriemetalle



Gold: Die Hausse ist zu Ende - vorerst


Es kam wieder einmal alles anders als gedacht. Die derzeit viel gescholtenen Spekulanten hatten bei der aktuellen Euroschwäche auf weiter steigende Goldpreise gesetzt. Doch die Tage und Wochen, an denen der Goldpreis von der fallenden Gemeinschaftswährung profitieren konnte, scheinen erst einmal vorbei zu sein. In der vorigen Woche knickte das Edelmetall deutlich ein. Ein Minus von über 1 % deutet auf eine ebenso deutlich abgekühlte Nachfrage hin. Da Gold aber gerade in Krisenzeiten immer schon ein sicherer Hafen für Anleger war, dürfte das Edelmetall angesichts der weiter brodelnden Griechenland-Krise nur eine Verschnaufpause eingelegt haben. Ein deutlicher Rückgang unter die Marke von 1.100 $/Feinunze wird in diesem Jahr jedenfalls immer unwahrscheinlicher.

Am Freitagvormittag notierte Gold mit 1.173,45 $/Feinunze.

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London Metal Exchange (LME)


Als Verschnaufpause dürften auch die Rückgänge bei den Industriemetallen zu werten sein. Bei einer exorbitanten Verschuldung des US-Haushaltes ist der Dollar nur scheinbar stark. Auf Dauer wird er die Notierungen nicht niedrig halten können.

KW 21 KW 20 KW 19 KW 18
Blei 1.719,00 $/t 2.016,00 $/t 1.963,00 $/t 2.228,00 $/t
Zink 1.817,00 $/t 2.072,50 $/t 2.090,00 $/t 2.314,00 $/t
Nickel 21.045,00 $/t 22.675,00 $/t 21.650,00 $/t 25.695,00 $/t
Kupfer 6.499,00 $/t 7.010,00 $/t 6.944,00 $/t 7.390,00 $/t
Äluminium 1.946,50 $/t 2.116,00 $/t 2.005,00 $/t 2.195,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Der lange Arm der Politik


Gegenwärtig bestimmen nicht Angebot und Nachfrage den Ölpreis, sondern Politik und Finanzmärkte. Der deutsche Alleingang, ungedeckte Leerverkäufe auf europäische Staatsanleihen zu verbieten, setzte bei weiter steigendem US-Dollar nicht nur die Rohstoffnotierungen unter Druck. Auch der WTI-Ölpreis fiel auf ein neues 7½-Monats-Tief von unter 70 $/Barrel. Bleibt abzuwarten, wie die OPEC auf diesen Verfall reagiert. Das Kartell behauptet nämlich, nur bei Preisen deutlich über 70 $ kostendeckend produzieren und investieren zu können.

Am Freitagvormittag notierte 1 Barrel (159 l) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit 69,67 $.

KW 21 KW 20 KW 19 KW 18
WTI-Sorte 69,67 $/Barrel 73,81 $/Barrel 77,08 $/Barrel 86,11 $/Barrel


Erdgas: Die Preise pendeln um die 4-$-Linie


Liegt der Erdgaspreis die eine Woche über der 4-$-Linie, rutscht er in der Woche drauf darunter. Für diese Schwankungen machen Experten (neben den üblichen Verdächtigen Eurokrise und starker US-Dollar) auch die weiterhin hohen Lagerbestände verantwortlich.

KW 21 KW 20 KW 19 KW 18
Henry Hub 4,180 $/mmBtu 4,430 $/mmBtu 3,930 $/mmBtu 4,030 $/mmBtu



Chemiemarkt



PET: Wandel zum Verkäufermarkt


Mit der Materialverknappung sind die Preise sowohl in Europa wie auch in Asien gestiegen. Bei einem so gut wie leergefegten Spotmarkt liefen alle Kontrakte gegenwärtig auf bloße Zuteilungen hinaus, berichten Kenner der Branche.
  • Europa: Der Preis für europäisches PET ist binnen 4 Wochen um 40 € auf momentan mindestens 1.300 €/t (FOB) gestiegen. Den Nachfrageboom hat nicht nur die bevorstehende Sommersaison ausgelöst, sondern auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Die europäischen Getränkeabfüller rechnen mit einem überdurchschnittlichen Getränkekonsum auf WM-Partys, bei Übertragungen auf Großleinwänden usw.
  • Asien: Importmengen stehen derzeit kaum zur Verfügung. Zum einen, weil der Eigenverbrauch in den asiatischen Ländern sehr hoch ist, und zum anderen sind Durchschnittspreise von 1.300 bis 1.400 €/t (FOB) für europäische Einkäufer nicht attraktiv genug.


Preiserhöhungen der Woche


  • Bayer MaterialScience (www.bayermaterialscience.de) wird zum 1. Juni 2010 ihre Verkaufspreise für die Produktgruppen Diphenylmethan-Diisocyanat (MDI), Toluylen-Diisocyanat (TDI) und Polyether (PET) um 0,25 €/kg anheben.
  • Evonik Degussa (www.evonik.com) zum 1.: Alle Produkte der Marken Degalan, Degacryl, Degadur, Degaroute, Degaplast, Degadeck, Degament, Rohagit und Plex werden ebenfalls zum 1. Juni um 15 % teurer.
  • Evonik Degussa (www.evonik.com) zum 2.: Zum gleichen Datum steigen auch die Preise für VISIOMER® Methacrylatmonomere zwischen 5 % und 8 %.


Beachten Sie: Anders als bei den Industriemetallen und bei Gold zeigen sich die Notierungen für Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) an der Londoner LME erstaunlich stabil.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.355 $/t (+-0 $/t) 1.350 $/t (+-0 $/t)
Äsien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.320 $/t (+-0 $/t) 1.160 $/t (-20 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Schützen Sie Ihre Rohstoffeinkäufe durch Optionen


Mit Optionen räumen Sie sich die Möglichkeit bzw. das Recht ein, eine bestimmte Ware (Basiswert):
  • in einer festgelegten Menge (Bezugsverhältnis)
  • bis zu oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (Laufzeit)
  • zu einem fixierten Preis (Basispreis) zu kaufen oder zu verkaufen (Call oder Put).
Ob sich für Ihren Einkauf eine Preisabsicherung per Option lohnt, hängt immer von der Höhe der Optionsprämie ab. Bei hohen Schwankungen der Metallpreise sind Optionen nämlich ziemlich teuer und nur in Ausnahmefällen anzuraten.

Ein Praxisbeispiel: Ein Unternehmen möchte einen gegebenen Aluminium-Preis für ein Jahr absichern, aber auch von fallenden Preisen profitieren. Der Aluminium-Kassakurs beträgt bspw. 1.840 $/t und der 1-Jahres-Forward 1.760 $ (Forward = Kauf oder Verkauf auf Termin). Die Call-Option würde mit diesen Beispiel-Kursen 140 $/t kosten. Bei steigenden Preisen erhält das Unternehmen von der Bank eine entsprechende Ausgleichszahlung. Berücksichtigt man die vorab an die Bank gezahlte Optionsprämie, so liegt der effektive Einkaufspreis bei 1.900 $/t (1.760 +140).

Beachten Sie: Im Umkehrschluss müssen Sie bei fallenden Rohstoffnotierungen, z.B. auf 1.500 $/t, die Optionsprämie als zusätzlichen Kostenfaktor hinzuaddieren. Ihr effektiver Einkaufspreis beläuft sich dann also auf 1.640 $/t.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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