Wochendepesche "Rohstoffalert"

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23.03.2010

Edel- und Industriemetalle



Zinn: Liebling der Saison


Für Zocker und Spekulanten war Zinn bislang nichts weiter als irgendwas Ordinäres zum Löten. Ohne Lötzinn gäbe es aber nicht ein einziges elektronisches Bauelement auf dieser Welt. Mit 50 % ist die globale Elektrobranche größter Kunde der Zinnhütten. Das dämmerte auch den Börsianern. In Zeiten großer Inflationsängste setzen sie nicht mehr allein auf ihre Paradepferde Gold, Platin und Kupfer, sondern auch auf das graue Mäuschen Zinn. Innerhalb eines knappen Jahres ist der Preis von rund 10.000 $/t auf 17.690 $/t gesprungen (LME-Notierung vom Freitag). Eine Entwicklung, die aber nicht nur den Spekulanten angelastet werden kann, sondern auch Produktionsausfällen in Indonesien wegen eines ungewöhnlich starken Monsuns.

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London Metal Exchange (LME)


Was dem einen sein Leid, ist dem anderen sein Freud. Wenn auch die meisten Preise fundamental nicht gerechtfertigt sind, geht es an der LME insgesamt doch recht gemächlich zu.

KW 12 KW 11 KW 10 KW 09
Blei 2.222,00 $/t 2.240,00 $/t 2.196,00 $/t 2.148,00 $/t
Zink 2.297,50 $/t 2.305,00 $/t 2.289,50 $/t 2.148,00 $/t
Nickel 22.225,00 $/t 22.300,00 $/t 22.850,00 $/t 20.270,00 $/t
Kupfer 7.475,00 $/t 7.384,00 $/t 7.485,00 $/t 7.045,00 $/t
Aluminium 2.243,00 $/t 2.194,00 $/t 2.202,50 $/t 2.062,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Wo kommen nur diese Preise her?


Fundamental gerechtfertigt sind am Ölmarkt auch keine WTI-Notierungen von deutlich über 80 $/Barrel. Die üblichen Verdächtigen China und Indien können dafür nur bedingt verantwortlich gemacht werden. Ihre Importmengen haben sich im vergangenen Jahr zwar beträchtlich gesteigert (China bspw. +49 %), gleichzeitig stiegen aber auch die Vorräte am wichtigen US-Rohölmarkt. Aktuell sind die Bestände dort auf einer neuen Rekordhöhe von fast 350 Mio. Barrel angelangt.

KW 12 KW 11 KW 10
WTI-Sorte 81,87 $/Barrel 82,27 $/Barrel 80,65 $/Barrel


Erdgas: Die Preise geben weiter nach


Erdgaseinkäufer können sich dagegen freuen. Seit Wochen geht es mit den Notierungen nach unten. Dabei sollte es auch bleiben, wenn Teheran seine Ankündigung wahr macht und 200 Mrd. $ in den heimischen Öl- und Gassektor investiert, um Modernisierung und Produktion anzukurbeln.

KW 12 KW 11 KW 10
Henry Hub 4,160 $/mmBtu 4,450 $/mmBtu 4,550 $/mmBtu



Chemiemarkt



Großbritanniens Kunststoffmarkt leidet


Um rund 13 % ist der Absatz von Gummi- und Kunststofferzeugnissen im vorigen Jahr eingebrochen. In diesem Jahr will die Branche aber wieder schwarze Zahlen schreiben. Ein Plus von 2 bis 3 % wird erwartet. Die Briten setzen dabei besonders auf Spezialkunststoffe für die IT-Industrie und bio-chemische Produkte. Zum einen sollen sie die Trendwende bringen und zum anderen will die Branche immer strengeren Recycling-Auflagen der EU und der eigenen Regierung zuvorkommen.


Preissteigerungen der Woche


  • EMS-GRIVORY (www.emsgrivory.com) will zum 1. April +5 % mehr haben für Grilamid, Grivory und Grilon.
  • Ebenfalls zum 1. April hat Quadrant Engineering Plastic Products (Quadrant EPP, www.quadrantcomposites.com) Preiserhöhungen zwischen 3 und 10 % für PE 500, TIVAR Produkte, Ertacel, Ertalyte u.a. angekündigt.
  • Ab sofort verlangt Dow Europe (www.dow.com) 120 €/t mehr für MAGNUM™ ABS und TYRIL™ SAN Typen.


Beachten Sie: An der Londoner LME ist Bewegung in die Preise für Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) gekommen. Nach den Preissprüngen der Vergangenheit ist der Abschlag von 30 $/t für Polyethylen am US-amerikanische Markt eine echte Überraschung.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.220 $/t (+20 $/t) 1.210 $/t (+-0 $/t)
Asien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.600 $/t (+20 $/t) 1.530 $/t (-30 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Zoll: Kennen Sie EMCS?


Wenn Sie bspw. Öl- oder Weineinkäufer sind, sollten Sie Ihre Wissenslücke schnell schließen. Hinter EMCS verbirgt sich nämlich eine EU-weite Neuerung. "Das Excise Movement Control System ist ein EDV-Verfahren zur Kontrolle der Beförderung verbrauchsteuerpflich­tiger Waren unter Steueraussetzung zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union", heißt es auf Amtsdeutsch. Es soll das bisherige Papierverfahren vereinfachen und transparenter machen. Die EMCS gilt für:
  • Energie (Mineralöl)
  • Tabak
  • Branntwein
  • Bier
  • Schaumwein und Schaumweinzwischenerzeugnisse
  • Wein
Brüssel will das neue System schrittweise einführen. In Deutschland müssen ab 1. April 2010 zunächst "alle elektronisch eröffneten Beförderungen unter Steueraussetzung auch elektronisch beendet werden." Ab 1. Januar 2011 ist das Verfahren dann für alle innergemeinschaftlichen Beförderungen unter Steueraussetzung verbindlich.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.zoll.de.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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