Wochendepesche "Rohstoffalert"

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02.03.2010

Edel- und Industriemetalle



Aluminium: Der Aufschwung lässt auf sich warten


Der russische Rohstoffkonzern UC Rusal (www.rusal.ru/en) hat in der vergangenen Woche seine Bilanzen veröffentlicht. Mit 3,95 Mio. t musste der weltgrößte Aluminiumproduzent im vorigen Jahr einen Rückgang von 11 % verkraften (zu 2008). Daran war nicht nur die Wirtschaftskrise schuld, sondern auch die Schließung diverser Aluminiumhütten wegen Betriebs- und Strommängeln. Dieses Jahr soll es bei UC Rusal besser laufen. Ein Plus von 3 % streben die Russen an. Chinalco (www.chinalco.com), größter chinesischer Aluminiumhersteller, will seine Produktion gar um 23 % steigern. Wer diese Massen angesichts von Angebotsüberhängen und hohen Lagerbeständen abnehmen soll, bleibt allerdings unklar. Höhere Preise sind also kaum zu erwarten.

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Beachten Sie: An der London Metal Exchange (LME) ging es in der vergangenen Woche ganz leicht abwärts, mit Ausnahme von Nickel:

aktuell Vorwoche
Blei 2.148,00 $/t 2.238,00 $/t
Zink 2.146,00 $/t 2.250,00 $/t
Nickel 20.270,00 $/t 20.230,00 $/t
Kupfer 7.045,00 $/t 7.085,00 $/t
Aluminium 2.062,00 $/t 2.076,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Wieder bei 80 $/Barrel - aber nur für eine Nacht


War alles nur ein Sturm im Wasserglas? Von Mittwoch auf Donnerstag übersprangen die Rohölnotierungen der Sorte WTI (West Texas Intermediate) die wichtige 80-$-Marke. Donnerstagnachmittag waren davon aber nur noch 78,57 $/Barrel und am Freitag 78,08 $/Barrel übriggeblieben (Vorwoche: 77,91 $/Barrel). Auslöser für dieses Auf und Ab war u.a. die Nachricht, dass der wichtigste Ölkunde China (Nachfragesteigerung allein im Januar um 29 %) in den kommenden Monaten seine Öl-Importe drosseln wird. Partei und Regierung wollen mit dieser Maßnahme von ihren Überkapazitäten herunterkommen.


Erdgas: Der Frühling kommt, die Preise fallen


Auf der nördlichen Erdhalbkugel geht dem Winter allmählich die Puste aus. Mit der Folge, dass die Preise für die US-Erdgassorte Henry Hub sinken weiter. Am Freitag kostete amerikanisches Erdgas 4,810 $/mmBtu. In den beiden Vorwochen waren es noch 5,160 $/mmBtu bzw. 5,370 $/mmBtu.



Chemiemarkt



Neues von der London Metal Exchange


Bereits seit dem 15. Februar hat die London Metal Exchange (LME, www.lme.co.uk) den börseninternen Prozess der Preisbildung von Kunststoff-Future-Kontrakten geändert. Die Preise der PP- und PE-LLD-Kontrakte werden seitdem mit LMEselect gebildet, der elektronischen Handelsplattform der LME. Martin Abbott, CEO der London Metal Exchange, meinte zu dieser Umstellung: "Wir haben den Fokus auf den elektronischen Handel und den per Telefon gesetzt, weil diese Optionen von der Industrie am meisten genutzt werden."

Preissteigerungen der Woche
  • Dow Europe (www.dow.com) erhöht die Preise ab 1. März für ihre Polyethylen-Typen (LDPE, LLDPE und HDPE) um 80 Euro/t.
  • Evonik (www.evonik.com): Ebenfalls zum 1. März will der weltweit führende Anbieter von Methacrylatchemie mehr für seine VISIOMER® Methacrylatmonomere haben. Für den europäischen Markt variieren die Anhebungen ja nach Typ zwischen 140 und 190 €/t.

Beachten Sie: Wie bei den Industriemetallen lässt der Preisfrühling an der Londoner LME auch bei Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) weiter auf sich warten:

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.160 $/t (-05 $/t) 1.210 $/t (-10 $/t)
Asien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.580 $/t (+-0 $/t) 1.445 $/t (+75 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Kennen Sie sich mit der Pro-forma-Rechnung aus?


Anders als der Name vermuten lässt, ist eine Pro-forma-Rechnung (engl. pro forma invoice) keine Zahlungsaufforderung, sondern nur ein Beleg. Allerdings mit allen Adress- und Kontodaten des Lieferanten, der Lieferadresse des Kunden, der genauen Bezeichnung der Ware, den Lieferkonditionen sowie den Zahlungsbedingungen und natürlich dem Preis. Gebräuchlich sind Pro-forma-Rechnungen bei
  • Auslandslieferungen zum Nachweis des Warenwerts für steuer- und zollrechtliche Feststellungen,
  • Lieferungen und Leistungen auf Vorkasse als Grundlage für die Zahlung,
  • kostenlosen Mustersendungen,
  • Warentausch (Garantie- oder Kulanzfällen),
  • Ersatzteillieferungen.

Beachten Sie: Häufig wird eine Pro-forma-Rechnung auch benötigt, um einen Akkreditiv zu beantragen. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um eine Auftragsbestätigung und sie wird oft auch an deren Stelle verwendet.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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