Stahlhandel

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Immer mehr Stahlhandel, aber nicht im alten Westen

2007 legte die weltweite Stahlproduktion im Vergleich zum Vorjahr um satte 8,3 % zu. In der Branche geben vor allem Rotchina, Indien und zunehmend Russland den Ton an. In gut zehn Jahren wird für China eine Steigerung der anteiligen Weltstahlproduktion von gegenwärtig 36 % auf 47 % erwartet. Deutliche Zuwachsraten sind auch für die russischen Produzenten vorausgesagt: 9 % auf 10 %. Die Prognosen für Indien: 4 % auf 6 %, und für Brasilien: 2 % auf 3 %.

Verlierer im Stahlhandel werden die EU-27 sein (16 % auf 10 %), die NAFTA-Staaten USA, Kanada und Mexiko (10 % auf 6 %) und Japan (9 % auf 5 %). Auch beim Stahlverbrauch haben die ehemaligen Entwicklungsländer die Nase vorn. Die Prognosen: Rotchinas Bedarf wird in gut zehn Jahren 40 % des weltweiten Verbrauchs ausmachen (gegenwärtig rund 33 %). Indien steigert seinen Bedarf von 4 % auf 6 % und der Nahe Osten von ebenfalls 4 % auf 8 %. Auch hier befinden sich Europa und Nordamerika im Sinkflug. Der Anteil der EU-27 wird von 16 % auf 10 % und der der NAFTA von 12 % auf 7 % zurückgehen. Den wachsenden Stahlbedarf in China, Indien und im Nahen Osten führen Branchenkenner auf den Ausbau bzw. die Modernisierung der dortigen Infrastruktur und Energieversorgung zurück. Einen immensen Stahlbedarf hat auch die aufstrebende Automobil- und Verbrauchsgüterproduktion. Insbesondere die VR China wandelt sich von einem Sachgüter- zu einem Verbrauchsgüterproduzenten.

Kaltband: Steife Brise im Stahlhandel

Für das 2. Quartal im Stahlhandel baldowern die Produzenten an Preiserhöhungen von teilweise über 100 € pro Tonne. Angesichts dieser steifen Brise im Stahlhandel üben sich viele Einkäufer in Zweckoptimismus und halten diese Preisvorstellungen für total überzogen. Für sie sind mehr als 40 €/t oder 50 €/t am Markt nicht drin. Dagegen stünden einfach die anhaltenden konjunkturellen Risiken. Volle Auftragsbücher und ausbleibende Importmengen sprechen aber eine andere Sprache. Das sicherste Indiz für steigende Preise: Die Lieferzeiten im Stahlhandel gehen bereits deutlich nach oben.

Walzdraht: Gipfelstürmer im Stahlhandel

Mit den Walzdrahtpreisen geht es im Moment steil bergauf. Für das 2. Quartal sind Preiserhöhungen von 70 bis 80 €/t möglich. Da das Material auf dem europäischen Markt knapp zu werden beginnt, bleiben den Einkäufern nur wenige Spielräume. Als unrühmlicher Preistreiber hat sich vor allem ArcelorMittal hervorgetan. Zwar könnten eine sinkende Nachfrage seitens der Autoindustrie und die Wirtschaftskrise in den USA die Höhenflüge zum Jahresende stoppen, sicher ist aber nichts.

Rohstahl: Dauerläufer im Stahlhandel

Im Januar 2008 produzierte die EU-27 17,92 Mio. Tonnen Rohstahl, Indien 4,79 Mio. Tonnen und Rotchina 40,90 Mio. Tonnen. Für das zweite Halbjahr wird in der Volksrepublik eine Mehrproduktion von 6,3 % erwartet. Wegen der starken innerchinesischen Nachfrage wird von diesen Mengen aber kaum etwas auf dem Weltmarkt fließen. Nach Angaben der Credit Suisse sind Chinas Stahlexporte im Vergleich zu 2007 deutlich rückläufig. Die Nettoausfuhren lagen im Januar 2008 bei 2,71 Mio. Tonnen. Im Dezember hatten sie noch 3,6 Mio. Tonnen betragen hatten.

Eisenerz: Im Stahlhandel stark gefragt

China hat angekündigt, seine Eisenerzimporte bis 2016 zu verdoppeln. Da Indien Ähnliches vorhat, wird es trotz steigender Eisenerzförderung (Rio Tinto + 9 %) am Markt einen Preisauftrieb geben.

Stahlhandel stark gewachsen

Der deutsche Stahlhandel hat 2006 ein deutlich besseres Produktionswachstum realisiert, als dies noch zur Jahresmitte 2006 erwartet worden war. Insgesamt stieg die Rohstahlproduktion um 6,1 % auf 47,2 Mio. Tonnen, das höchste Niveau seit der deutschen Wiedervereinigung. Auch beim Umsatz konnte mit 42 Mrd. Euro ein neuer Rekord verbucht werden. Der Ausblick auf 2007 ist im Stahlhandel von Zuversicht und Optimismus geprägt. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl schätzt, dass sich das Produktionsergebnis auf etwa dem gleichen Niveau bewegen wird.

Dies wird mit 2 Entwicklungen begründet:

  • 1. Die Konjunkturbelebung in Deutschland und in der gesamten EU führt zu einem erhöhten Verbrauch. Das prognostizierte Wachstum im Stahlhandel von circa 2 % basiert wesentlich auf Investitionen und ist damit stahlintensiv. Stahlverarbeitende Branchen werden ihre Produktion 2007 ausweiten können. Damit wird der Stahlbedarf erneut wachsen und in Deutschland um voraussichtlich gut 2 % zulegen.
  • 2. Es wird geschätzt, dass die Händler und Verarbeiter ihre Lager nur moderat aufstocken, trotz der hohen Zuwächse bei Lieferungen und Produktion. Zwar sind die Importe im Stahlhandel aus den anderen EU-Ländern und aus Drittländern im Jahre 2006 stark gestiegen, andererseits hat aber auch der deutsche Stahlexport stark zugenommen, sodass sich dieser Effekt momentan ausgleicht.

Zum Jahresende haben zudem auch die Auftragseingänge wieder stark zugelegt. Die Auftragsreichweite der deutschen Stahlwerke liegt momentan bei etwa 3,2 Monaten. Auch die vom IFO-Institut zur Konjunkturerwartung befragten Unternehmen gehen zu 75 % von einer stabilen konjunkturellen Entwicklung beim Stahlhandel aus. Es wird erwartet, dass der Aufschwung auch über die nächsten 6 Monate hinausreichen wird. Der Stahlmarkt und damit auch die Preise werden für die nächsten Monate relativ fest bleiben.

Stahlhandel international

Vor allem Produzenten aus Schwellenländern wie Indien und Brasilien versuchen, auf den Märkten der traditionellen Industrieländer in Nordamerika und Europa einen Fuß in die Tür zu bekommen. Letztens haben sich die indische Tata Steel und die brasilianische CSN einen Bieterwettkampf um die niederländisch-britische Corus geliefert. Tata ist als Sieger dieses Kampfes im Stahlhandel hervorgegangen und hat Corus für 26 Mrd. Euro übernommen. Das ist die bisher zweitteuerste Übernahme der Branche. Der Preis ist betriebswirtschaftlich in dieser Höhe völlig überzogen. Wollte man ThyssenKrupp am Markt ähnlich bewerten, müsste der Aktienkurs sich verdoppeln. Und Corus ist nicht unbedingt das Highlight der europäischen Stahlbranche. Allenfalls der niederländische Teil, die ehemalige Hoogovens, gilt als erstklassiger Automobilzulieferer mit allerbesten Branchenkontakten und ist zudem zweitgrößter europäischer Anbieter von Verpackungsblech. Tata hat trotzdem zugeschlagen.

Hintergrund ist die Strategie, sich mit der Basis in einem Schwellenland und Zugang zu eigenen Rohstoffquellen durch den Zukauf eines Konkurrenten aus einem hoch industrialisierten Land Zugang zu hochwertigen Produkten, neuen Kunden und Märkten zu verschaffen. Und Corus war der letzte noch verbliebene europäische Hersteller im Stahlhandel, der zu haben war.

Insofern bleibt abzuwarten, wie sich dieser Kauf auf den Markt auswirken wird. Tata ist als Mischkonzern jedenfalls recht erfolgreich und hat mit seinen Engagements immer Geld verdient, um sich auch solche Aufkäufe leisten zu können.

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