Schrottpreise

Schrottpreise unterliegen vor allem in den letzten Jahren starken Schwankungen. Damit Ihnen bei Ihrer Kalkulation kein Fehler passiert, informiert Sie Rohstoffeinkauf aktuell regelmaßig zu dem Thema Schrottpreise.

Verkaufspreise und Schrottpreiszuschläge auf Rekordniveau

Die Preise für Betonstahl und Stahlschrott haben sich in kurzer Zeit verdoppelt

Anfang Mai hätten die Bauunternehmen bis zu 540 € pro Tonne Betonstahl bezahlen müssen, teilte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in Berlin mit. Vor einem halben Jahr seien es 270 € gewesen. "Eine seriöse Angebotskalkulation ist zurzeit kaum möglich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Michael Knipper. So seien die Stahllieferanten nicht bereit, Festpreise zu nennen, sondern böten nur noch Tagespreise an. Knipper begrüßte deshalb die Wiedereinführung einer zwingenden Schrottpreis-Gleitklausel für Bauleistungen des Bundeshochbaus. Allerdings fordert er die Ausweitung der Klausel, die einen Verkauf der Ware zu einem tagesaktuellen Preis ermögliche, auf den Tief- und Wasserbau sowie alle öffentlichen und privaten Auftraggeber. Der Sprecher des Verbandes, Heiko Stiepelmann, begründete die Schwankungen bei den Betonstahlpreisen damit, dass vor allem Chinesen und Inder mit ihrem hohen Stahlbedarf den Markt leer kaufen.

Schrottpreise "explodiert"

Alan Greenspan hat in seiner Amtszeit als FED-Präsident dafür gesorgt, dass sich nicht nur Schrotthändler und Stahlkocher für Schrottpreise interessieren. Wenn er der amerikanischen Wirtschaft den Puls messen wolle, so ein Bonmot Greenspans, brauche er nicht ökonomische Datenkränze zu studieren - ihm genüge ein Blick auf den Preis für Stahlschrott. Schrottpreise werden vom Stahlpreis beeinflusst, hängt aber ebenso von den Frachtraten für Schiffscontainer ab wie von den Energiepreisen. Der Schrottmarkt zeigt bereits frühzeitig konjunkturelle Ausschläge an, weil er am Beginn der "industriellen Supply Chain" steht. Stagniert zum Beispiel der Häuserbau, spüren das die Stahlindustrie und die Zulieferer auf den Schrottplätzen.

Der Grund, warum es keine Stahlschrott-Futures-Kontrakte gibt (Ausnahme: Ccom in Nagoya/Japan), ist einfach: Schrott gilt als heterogener Wertstoff, der sich nur schwer in präzise Definitionen pressen lässt. Selbst Richtlinien wie die Europäische Stahlschrott-Liste, die einzelne Sorten - von Schredder-Schrott bis zu vorverdichtetem Weißblechdosen-Schrott - umschreiben, haben Spielraum für Abweichungen. Zudem stellt jedes Stahlwerk entsprechend seinem Produktionsprogramm andere Anforderungen.

Zutaten für die Stahlkocher

2007 exportierten die USA Schrott im Wert von 6,2 Mrd. $ nach China. In der Bilanz des Außenhandels mit China wurde dieser Posten einzig durch die elektronischen Komponenten übertroffen. Die aufstrebenden Länder Asiens - neben China auch Indien, Südkorea und Taiwan - sind dermaßen hungrig nach Baustoffen, dass die Industrieländer richtiggehend nach recycelbaren Stoffen abgegrast werden. Der weltweite Schrotthandel hat sich in den letzten zehn Jahren gemäß dem Weltstahlverband IISI nahezu verdoppelt (auf rund 100 Mio. t).

Für die Stahlindustrie ist Schrott ein unabdingbarer Input-Faktor. In Deutschland betrug der Schrottanteil an der Rohstahlerzeugung im vergangenen Jahr 45 %, in den USA 68 %. Daneben werden große Mengen als so genannter Kühlschrott benötigt. Eisenhaltige Metalle sind nahezu unbeschränkt und ohne Qualitätsverlust wiederverwertbar. Wird Roheisen statt Schrott in die Öfen geschoben, ist ein mehr als 3-mal so hoher Energieverbrauch nötig.

Im Zuge der weltweit robusten Stahlkonjunktur steigen die Schrottpreise seit Jahren. Für eine Tonne der Referenzqualität Heavy Melting Scrap Nr. 1 (HMS 1) mussten 2002 nur rund 100 $ bezahlt werden, 2008 kletterte der Schrottpreis auf 700 $. Auch der Kokskohle-Preis hat sich verdoppelt, und Eisenerz ist 2008 über 70 % teurer geworden.

Aussichten bei Stahl- und Schrottpreisen

Wann sich der Stahlmarkt wieder beruhigt, weiß niemand. Als sicher gilt, dass die Preise für Kaltband im dritten Quartal um deutlich mehr als 100 € pro Tonne steigen werden. Weitere Preissteigerungen wird es auch für alle anderen Stahlsorten geben. Die offizielle Begründung der Stahlhersteller: wieder sprunghaft gestiegene Vormaterial-Preise (Eisenerz, Kokskohle, Schrott ...) für 2008. Nervosität und Unsicherheit in den Einkaufs- und Verkaufsabteilungen sind zurzeit groß. Auch Versorgungsängste machen sich breit, die zusätzlich von den Stahlwerken angeheizt werden mit Aussagen wie: "Wer noch keine langfristigen Kontrakte abgeschlossen hat, der sollte es schleunigst jetzt tun."

Praxis-Tipp: Lassen Sie sich bei Schrottpreisen nicht bange machen.

Der führende Branchendienst MEPS jedenfalls steht der aktuellen Preisblase sehr skeptisch gegenüber. Er sieht beispielsweise die zukünftige europäische Konjunktur keinesfalls rosig. Auch der ifo-Weltwirtschaftsklima-Index sank mit 81,4 Punkten auf den tiefsten Stand seit 6 Jahren. Vielleicht ist der Grund für die weltweiten Preis-Kapriolen ja dieser: schnell die Taschen ordentlich vollstopfen, bevor die Party vorbei ist.




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