Global Sourcing

Global Sourcing beschreibt die Ausrichtung des Marketings auf den Weltmarkt. Das beinhaltet einerseits die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen, anderseits aber auch die Ausrichtung der Versorgung auf globale Quellen. Nutzen Sie unsere Tipps, um das Thema Global Sourcing von der richtigen Seite anzugehen.

Auslaufmodell Global Sourcing?

Qualitätsprobleme, Rechtsunsicherheit und Flexibilitätsmängel machen aus Billig ganz schnell Teuer

Es war wie eine Epidemie: Geradezu zwanghaft hatten sich deutsche Unternehmen auf die Lohnkosten als Dreh- und Angelpunkt ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschossen. Um wenige Prozentpunkte wurden heiße Standort- und Global Sourcing-Diskussionen geführt und dabei komplett vergessen, dass in veralteten Produktions- und Distributionsprozessen Produktivitätsreserven von 40 % und mehr schlummern.

Wie der Firma Lemken, einem Landmaschinenbauer aus Nordrhein-Westfalen, erging es vielen. Angelockt durch großartige Steuer- und Lohnversprechungen, verschiffte das Familienunternehmen einen Teil seiner Produktion nach Russland, um dort ein blaues Wunder zu erleben. Nach Schätzungen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zog es 2007 jeden elften Betrieb des verarbeitenden Gewerbes ins Ausland, doch mit abnehmender Tendenz (2004 war es noch jeder achte). Auf jede vierte bis fünfte Auslandsverlagerung folgt spätestens nach 5 Jahren die Rückkehr nach Deutschland.

Geschönte Bruttorechnungen

Globales Outsourcing ist mit Global Sourcing eng verknüpft. Was z. B. den Projektmanagern von Lemken widerfuhr, erlebten auch die firmeneignen Einkäufer in Russland. Ihre Klagelieder über mangelnde Flexibilität der Zulieferer und unbrauchbare Produkte füllen ganze Bilanzbücher. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe hat sich das Problem genauer angesehen und herausgefunden, dass beim Global Sourcing oft nicht die tatsächlichen Kosten in Rechnung gestellt werden. Regelmäßig fallen Posten wie Qualitätskontrolle, Transport- oder Reisekosten für die Lieferantenbetreuung unter den Tisch. Die Ersparnis von 10 % Lohnkosten (Durchschnitt an der Gesamtkostenmenge eines deutschen Betriebes) ist da fix aufgebraucht.

Der neue Trend zum Thema Global Sourcing

Doch nicht nur Dauerstress mit asiatischen oder lateinamerikanischen Zulieferern könnte ein Umdenken in den Einkaufsetagen auslösen, sondern auch eine deutsche Wirtschaft, die immer wettbewerbsfähiger wird. Arbeit wird hierzulande zwar weiterhin teuer bleiben, jedoch mit abnehmender Steigerungsrate (+ 1,2 %, 2007). In China lag sie bei ca. 9 %, in Indien bei 15 % und in Rumänien bei über 30 %.

Klimawandel und Global Sourcing: Die neuen Kalkulationsgrößen - Energie und Ökologie

Gut und billig einzukaufen, reicht nicht mehr. Die Einkäufer der Zukunft haben auch die Energie- und Klimabilanzen ihrer Lieferländer im Auge

Für die einen ist der Klimawandel ein Riesenquatsch, für die anderen Chance und Möglichkeit zugleich. So oder so, der Wandel betrifft uns alle. Er ist auch nicht mehr fern und weit hinterm Berg. Beim nächsten Gang zur Zapfsäule steht er vor uns und hält seine Hand auf.

Am Öl hängt die Logistik, zum Öl drängt die Logistik

In der Wirtschaft ist Erdöl Rohstoff und Energieträger Nummer eins. Ein überproportional steigender Ölpreis, wie in den nächsten 10 Jahren zu erwarten ist, wird nicht nur zum Härtetest der Weltwirtschaft, auch das Global Sourcing, das auf einen funktionierenden Warentransport angewiesen ist, wird betroffen sein.

Zur Erinnerung: Nach einer längeren Niedrigpreisphase stieg der Ölpreis 2004 zeitweilig auf 53 USD/Barrel. Hurrikan Katrina wirbelte im August 2005 die Preismarke dann auf 70 USD hinauf. Ein weiterer Rekord stand am 07.11.2007 an, als zum ersten Mal mit 99,29 USD fast die 100-Marke genommen wurde.

Mit der Krise ist es wie mit dem Krebs: Wird er rechtzeitig diagnostiziert und werden wirksame Gegenmaßnahmen getroffen, bestehen zu 100 % Heilungschancen. Beginnen Sie deshalb rechtzeitig mit der Diagnose und schätzen Sie die Belastungen ein, die auf Ihren Einkauf und Ihr Unternehmen zukommen können:

  • Straßentransport: Trotz steigender Treibstoffkosten wird der grenzüberschreitende Güterverkehr nicht weniger werden, ebenso wie die sonstigen ökonomischen Belastungen. Vor allem in den MEO-Staaten ist mit einem Anstieg der Mineralölsteuer zu rechnen, da die EU eine schrittweise Anhebung auf ein Mindestniveau anstrebt. Steigen werden auch die Straßenbenutzungsgebühren. Politisches Ziel ist, durch höhere Preise das rasante Wachstum des Global Sourcing zu drosseln.

  • Seetransport: Im Gegensatz zum globalen Luftverkehr spielen die Treibhausgasemissionen bisher noch keine Rolle. Das könnte sich ändern. Auch die Steuerbefreiung für Schweröle wird in absehbarer Zeit auf dem Prüfstand stehen, wie überhaupt schärfere Auflagen hinsichtlich der Effizienz und Sauberkeit von Schiffsdiesel zu erwarten sind.

  • Schienentransport: Das grüne Dauerthema bleibt auf dem Tisch der Politiker. Derzeit wird überlegt, ob Schienentransporte EU-weit mit einem verminderten Mehrwertsteuersatz begünstigt werden. Auch ein Wegfall der Ökosteuer ist mittelfristig denkbar.

  • Lufttransport: Mit durchschnittlich etwa 5 % p. a. wächst der globale Luftverkehr auch in Zukunft besonders dynamisch. Wegen der Klimaschädlichkeit mehren sich in der EU die Stimmen, den Luftverkehr ab 2011 in den EU-Emissionshandel einzubeziehen. Die europäische Kerosinsteuer dürfte so schnell aber nicht kommen. Dafür sorgt das Veto der Südeuropäer. Langfristiges Politikerziel ist es jedoch, auch diesen Verkehrsträger zu verteuern.

Kein Teuro mehr

Der stark bewertete Euro wird Sie dabei auf lange Sicht unterstützen. Nach Einschätzung von Konjunkturexperten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wird sein Wert voraussichtlich weiter steigen. Bei 1,50 USD ist jedenfalls noch lange nicht Schluss. Viel wahrscheinlicher ist ein Wechselkurs von 1,55 USD und darüber. Alle weltwirtschaftlichen Faktoren sprechen gegenwärtig gegen den Dollar und für einen starken Euro.

Von einem Extrem ins andere

Orkan Kyrill war 2007 wohl erst der Anfang. Wetterextreme steigern bei Bahn, Schiff, Flugzeug oder Lkw nicht nur die Transport- und Terminrisiken, auch die Versicherungsgesellschaften werden sich ihre Leistungen höher vergüten lassen, vor allem für Regionen mit hoher Unwetterbelastung (z. B. den Golf von Mexiko).

Infrastruktur, Lohn- und Stückkosten bleiben zumindest für den europäischen Beschaffungsraum ganz sicher auch in Zukunft die wichtigsten Entscheidungskriterien für oder gegen einen Lieferanten. Wer seine Einkaufsaktivitäten aber komplett nach Übersee verlagert, sollte zumindest langfristig die potenziellen Klimagefahren in seinen Auswahlkatalog für das Global Sourcing aufnehmen.

Zu den vier Weltregionen, in denen sich der Klimawandel besonders früh und besonders stark bemerkbar machen wird, gehört auch China mit seinen wirtschaftlich prosperierenden Küstenregionen. Gerade für die Mega-Städte Shanghai und Guangzhou (Kanton) werden immer neue Antikatastrophenszenarien entwickelt, um eine Bedrohung durch Überschwemmungen und Sturmfluten abzuwehren. Die Angst kommt nicht von ungefähr, Shanghai liegt nur 4 Meter über dem Meeresspiegel!

Beachten Sie: Auch in China stehen umweltpolitische Themen längst auf der Tagesordnung. Ebenso wie Indien wird das Land zukünftig viel in den Klimaschutz und eine höhere Energieeffizienz investieren. Für Sie als Einkäufer werden beim Global Sourcing ganz sicher höhere Lieferantenpreise herauskommen.

Erweitern Sie Ihr Risikomanagement

Kaufen Sie auch schon in Asien? Diese Frage aller gegenwärtigen Einkäuferfragen bekommt vor der sich ändernden Klimakulisse eine ganz neue Bedeutung. Über Nacht wird das Chinesische Meer die Wolkenkratzer von Shanghai ganz sicher nicht unter Wasser setzen. Eine Überlegung wert ist es aber schon, den Katalog der betriebseigenen Einkaufsrisiken beim Global Sourcing um die Posten Energie und Ökologie zu erweitern.

Global Sourcing: Der internationale Einkauf in der Praxis

Welche internen Voraussetzungen für den globalen Einkauf erforderlich sind

Vielleicht steht derzeit auch Ihr Unternehmen gewaltig unter Kostendruck und ist den Erwartungshaltungen der Eigentümer ausgesetzt. Angesichts dieser Ausgangssituation wird dieser Druck auch an den Einkauf weitergegeben - mit der Vorgabe, preiswerter zu beschaffen. Dies bedeutet für den Einkauf, sich zunehmend mit dem existierenden Potenzial der internationalen und vor allem globalen Ausrichtung der Beschaffung zu beschäftigen.

Beachten Sie: Ein globaler Einkauf darf nie Selbstzweck sein.

Um nicht unorganisiert den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, sollten Sie bereits im Vorfeld klären, ob Ihr Einkauf fit für ein "Going international" ist und ob auch die anderen internen Abteilungen fachlich, überzeugt und kapazitätsmäßig mitspielen können und werden.

1. Die einkaufsseitigen Voraussetzungen

Eine Einkaufsabteilung muss vor jeder Umstellung und Ausrichtung auf eine internationale Beschaffung das folgende Fähigkeits- und Motivationsprofil aufweisen:

  • Vorhandene Motivation für internationalen Einkauf
    Wenn Sie im Einkauf von der Überzeugung und Motivation her einem Bezug im Ausland skeptisch oder ablehnend eingestellt sind, kann die Angelegenheit sehr riskant werden. Tipp: Informieren Sie sich einfach über die Erfahrungen anderer Firmen und sammeln Sie erste internationale Erfahrungen mit Global Sourcing in kleinen Schritten.
  • Englische Sprachkenntnisse
    Ohne verhandlungssichere Kenntnisse der englischen Sprache ist ein internationaler Einkauf unmöglich. Stellen Sie sich zusätzlich darauf ein, dass bei Abwesenheit des Verkäufers oder Geschäftsführers Ihres Lieferanten nur die Landessprache gesprochen wird. Probleme bei der telefonischen Vermittlung und bei verlässlichen Informationen über Termine sind dann unvermeidbar.
  • Grundkenntnisse im internationalen Vertragsrecht
    Um eine rechtliche Situation beim Importbezug fundiert beurteilen zu können, ist die Beratung durch einen Auslandsanwalt unabdingbar. Die Bedeutung des UN-Kaufrechts, die Rechtswahl sowie die grundsätzlichen vertraglichen Parameter und Besonderheiten beim internationalen Einkauf sollten Ihnen vertraut sein.
  • Länder- und Mentalitätskenntnisse
    Sie dürfen in diesem Zusammenhang nicht mit der Erwartungshaltung starten, dass alles so läuft wie in Deutschland. Beispielsweise haben Erwartungen, Vereinbarungen oder Termineinhaltungen in vielen Ländern einen anderen Stellenwert. Wenn Sie Ihre Nerven schonen wollen, müssen Sie sich vorab auf viele negative Überraschungen einstellen. Es ist ratsam, sich im Vorfeld kurz über die Geschichte, die politischen Verhältnisse, die Bevölkerungsstruktur und die Mentalität des jeweiligen Landes zu informieren.
  • Verhandlungssicherheit mit ausländischen Lieferanten
    Stellen Sie sich auf vollkommen andere Verhandlungstaktiken, Raffinessen, Körpersprache, Termindruck und Arten der Verhandlungszusammensetzung Ihrer ausländischen Verhandlungspartner ein. Trotz aller Neuheiten und Überraschungen müssen Sie ausgewogen und selbstsicher reagieren und dürfen sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
  • Importkenntnisse
    Die Abwicklung von Einfuhren im Vergleich zum Inlandsbezug ist aufwändiger und erfordert Kenntnisse über Zollsätze, Speditionsabrechnungen und Währungen, ganz zu schweigen von der aufkommenden Hektik, wenn eine eilige Sendung beim Zoll hängen bleibt.
  • Reisebereitschaft
    Sie können unmöglich größere Bestellungen bei einem ausländischen Lieferanten tätigen, ohne Ihren Verhandlungspartner persönlich zu kennen oder ohne seinen Betrieb zu auditieren. Je mehr Sie aus dem Ausland beziehen, desto häufiger werden Sie zu Ihren Lieferanten oder auch auf internationale Messen reisen müssen.

2. Die betriebsinterne Information und Akzeptanz

Ein erfolgreiches Global Sourcing kann der Einkauf nicht im Alleingang durchführen, da andere Abteilungen ebenfalls davon betroffen sein werden bzw. ihrerseits Aktivitäten bezüglich einer geänderten Durchführung eingeleitet werden müssen.

  • Geschäftsleitung
    Die Geschäftsleitung sollte in monatlichen Meetings über geplante internationale Einkäufe mit Zahlen, Daten und Fakten informiert sein und diese Strategien auch grundsätzlich genehmigen.
  • Qualitätssicherung (QS)-Abteilung
    Aufgrund möglicher Qualitätsschwankungen und späterer Qualitätsabweichungen muss Ihre QS intensivere Eingangsanalysen und andere oder zusätzliche Prüfmethoden durchführen, wofür sie Know-how, Equipment und auch rechtzeitig Kapazitäten benötigt.
  • Rechtsabteilung/Regulatory Affairs
    Der Einsatz von Waren ausländischer Provenienzen zieht eventuell deklaratorische Änderungen oder Informationspflichten an die Kunden und auf den Verpackungen nach sich. Zusätzlich müssen die Verträge auch auf Ihre Rechtswirksamkeit im Bezugsland hin geprüft werden.
  • Forschung und Entwicklung
    Der Einsatz von neuen Rohwaren muss auf seinen exakten Einfluss in den Rezepturen geprüft werden.
  • Disposition
    Aufgrund von längeren Lieferzeiten und erhöhtem Versorgungsrisiko muss Ihre Disposition eventuell Bestandserhöhungen und andere Planungsverfahren durchführen.
  • Wareneingang
    Der Wareneingang muss die Lieferpapiere auf ihre Vollständigkeit hin und die Waren verschärfter auf offensichtliche Mängel kontrollieren, damit er nach interner Abstimmung die Annahme verweigern kann. Eine spätere Rücksendung zum Lieferanten kann je nach Land abwicklungstechnisch sehr aufwändig und teuer sein.
    Die Mitarbeiter im Wareneingang müssen in der Lage sein, die Lieferscheine und die Bezeichnungen auf der Ware auch identifizieren und lesen zu können.
  • Produktion
    Ihre Produktion muss trotz QS-Freigabe die Waren auf Einsetzbarkeit an den Maschinen oder Mischungen prüfen. Oft kann dies nur nach einer größeren Probeproduktion definitiv beurteilt werden.
  • Buch- und Finanzbuchhaltung
    Ihre Buchhaltung wird wegen Währungsumrechnungen bei den Warenrechnungen und generell bei den Speditionsabrechnungen einen erhöhten Zeitaufwand haben. Ihre Finanzabteilung muss beim Global Sourcing Akkreditive vorbereiten und kontrollieren, Devisengeschäfte tätigen und eventuell Konten in ausländischen Währungen eröffnen.
  • Vertrieb
    Der Vertrieb muss informiert sein, da er eventuell seine Kunden über geänderte Rezepturen informieren muss.
    Oft nehmen Kunden dies zum Anlass, eine Diskussion über Preisnachlässe zu initiieren, was eine getätigte Einkaufsersparnis schnell in einem anderen Licht erscheinen lässt

Fazit: Eine Einkaufsabteilung sollte alle internen Hebel in Bewegung setzen, wenn sich ein globaler Einkauf in der Gesamtkostenbetrachtung lohnt.

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