Wochendepesche "Rohstoffalert"

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01.06.2010

Edel- und Industriemetalle



Preistendenz Stahl: Weiter steigend


Die Bilder gleichen sich und die Nachrichten auch. Ein Hersteller nach dem anderen setzt seine Stahlpreise hinauf. China Steel aus Taiwan (www.csc.com.tw) will z.B. ab Juni seine Verkaufspreise um 6,6 % anheben. Ins gleiche Horn bläst auch Nippon Steel (www.nsc.co.jp/en/index.html). Am vergangenen Donnerstag kündige der japanische Stahlriese an, ab Juli seine Preise um durchschnittlich 10 bis 15 % zu erhöhen. Nippon Steel sieht aber noch viel mehr Luft nach oben. CEO Akio Mimura hält weitere Steigerungen von 30 bis 50 % im 4. Quartal nicht nur für möglich, sondern auch für unumgänglich. Seine Begründung: Explodierende Erzpreise und anziehende Kohlenotierungen. Zahlte Nippon Steel vor einem Jahr noch 70 $/t, sind es heute 105 $/t. Tendenz weiter steigend.



London Metal Exchange (LME)


Wohin die Reise bei den Industriemetallen geht, zeigen die Zahlen des Baltic Dry Index. Am Freitag stieg er auf den höchsten Stand seit November 2009 und liegt aktuell immerhin 40 % höher als Mitte April. Der Aufstieg des BDI-Index zog die Metallnotierungen an der LME mit nach oben.

KW 22 KW 21 KW 20 KW 19
Blei 1.776,50 $/t 1.719,00 $/t 2.016,00 $/t 1.963,00 $/t
Zink 1.875,00 $/t 1.817,00 $/t 2.072,50 $/t 2.090,00 $/t
Nickel 21.580,00 $/t 21.045,00 $/t 22.675,00 $/t 21.650,00 $/t
Kupfer 6.875,00 $/t 6.499,00 $/t 7.010,00 $/t 6.944,00 $/t
Äluminium 2.003,50 $/t 1.946,50 $/t 2.116,00 $/t 2.005,00 $/t

Beachten Sie: Der Baltic Dry Index (BDI, www.dryships.com/pages/report.asp) ist eine objektive Größe für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern. Er spiegelt die Kosten für Zeitcharter und Reisecharter im Schüttgutverkehr auf 26 Hauptschifffahrtsrouten in vier Schiffsklassen wider.




Energiemarkt



Erdöl: Die Preise steigen wieder


Ein höheres Verbrauchervertrauen der US-Amerikaner, eine Erholung der amerikanischen Aktienmärkte und sinkende Rohöllagerbestände in Cushing (zum ersten Mal seit 7 Wochen) haben Druck von den WTI-Notierungen genommen. Aus fundamentaler Sicht war der Ölpreis in den vergangenen 2 Wochen auch zu schnell und zu stark gefallen. Wenn auch keine Höhenflüge zu erwarten sind, dürfte die Notierung um die 75-$-Linie pendeln.

Am Freitagvormittag notierte 1 Barrel (159 l) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit 75,07 $.

KW 22 KW 21 KW 20 KW 19
WTI-Sorte 75,07 $/Barrel 69,67 $/Barrel 73,81 $/Barrel 77,08 $/Barrel


Erdgas: Asien fest im Blick


Europa werde in den nächsten Jahren zwar ein bedeutender Handelspartner für Russland bleiben – auch bei Erdgas –, betonte Wirtschaftsministerin Elwira Nabiullina in der vergangenen Woche in einem RIA Novosti-Interview, die Marktausrichtung gehe aber eindeutig in Richtung Asien. Dort würden Nachfrage und Preise bestimmt.

KW 22 KW 21 KW 20 KW 19
Henry Hub 4,330 $/mmBtu 4,180 $/mmBtu 4,430 $/mmBtu 3,930 $/mmBtu



Chemiemarkt



MOE-Staaten: Gemischte Stimmungslage


Schnäppchen lassen sich in den Mittel-Ost-Europäischen-Staaten (MOE) kaum noch finden. Die offerieren heutzutage asiatische Hersteller aus der Golfregion oder Fernost. Entsprechend schwer haben es die MOE-Produzenten, die Preiserhöhungen bei den Vormaterialien an ihre Abnehmer weiterzugeben:
  • Polen: Polnische Hersteller klagen obendrein über einen Mangel an Aufträgen. Um ihre Preise halten zu können, greifen sie häufig auf billigeres Recyclingmaterial zurück.
  • Tschechien: Besser kommen die tschechischen Kunststoffverarbeiter mit den aktuellen Vorpreisen hin. In der Regel akzeptieren die Kunden ihre Verkaufspreise.
  • Ungarn: Die ungarischen Produzenten machen für ihre Preissteigerungen einen allgemeinen Rohstoffmangel verantwortlich.
  • Rumänien: Da der Markt die höheren Verkaufspreise nicht akzeptiert, ist Pessimismus weit verbreitet.
  • Serbien: Neuentwicklungen, wie z.B. biologisch abbaubare Additive, sorgen für frischen Wind in der Branche und gute Verkaufszahlen.

Einige Preisbeispiele:
KW 22 KW 17 KW 13 KW 08
PS 1.300 €/t 1.260 €/t 1.200 €/t 1.149 €/t
PE-HD Folie 1.150 €/t 1.110 €/t 1.150 €/t 1.003 €/t
PE-HD Rohre 1.140 €/t 1.200 €/t 1.200 €/t 1.098 €/t
PP-Copob 1.350 €/t 1.250 €/t 1.090 €/t 1.000 €/t
PP-Folie 1.280 €/t 1.240 €/t 1.050 €/t 988 €/t

Weitere Preise finden Sie unter: www.plasportal.com/Index.aspx?MN=Menu4Almenu1&LN=English


Preiserhöhungen der Woche


  • Dow Europe (www.dow.com) hebt ihre Preise für alle Polyethylen-Sorten (LDPE, LLDPE und HDPE) zum 1. Juni um 70 €/t an.


Beachten Sie: Im gleichen Bereich haben auch die US-amerikanischen Notierungen für Polyethylen (PE-LLD) an der LME zugelegt.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.315 $/t (-40 $/t) 1.350 $/t (+-0 $/t)
Äsien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.300 $/t (-20 $/t) 1.160 $/t (+60 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Achtung: Thailands Sicherheitslage weiter instabil!


Nach dem Aufstand der Rothemden hat sich die Sicherheitslage in Bangkok und den Nordprovinzen zwar normalisiert, bspw. rollt wieder der öffentliche Nahverkehr und gesperrte Straßen sind seit voriger Woche für den Verkehr frei gegeben worden, für die Hauptstadt Bangkok und 23 Provinzen gilt aber nach wie vor eine nächtliche Ausgangsperre von 24.00 bis 04.00 Uhr. In dieser Zeit sind auch keine Fahrten zwischen Flughafen und der Innenstadt von Bangkok erlaubt.

Beachten Sie: Polizei und Regierung raten dringend von Reisen in die unter Notstandsrecht stehenden Südprovinzen Narathiwat, Yala, Pattani und Songhkla ab. Wegen anhaltender terroristischer Anschläge besteht besonders für Ausländer Lebensgefahr. Weitere Sicherheitsinformationen erhalten Sie unter: www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Thailand/Sicherheitshinweise.html
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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