Wochendepesche "Rohstoffalert"

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04.05.2010

Edel- und Industriemetalle



Platin: Ein Gipfelstürmer stolpert


In der vergangenen Woche musste sich das Edelmetall von seinem Preisgipfel abseilen und landete mit 1.666 $/t auf dem tiefsten Stand seit Anfang April. Der Grund: Das Hickhack zwischen der US-Börsenaufsicht SEC und der Investmentbank Goldman Sachs. Die SEC will das Bankhaus wegen eines möglichen Wertpapierbetrugs vor Gericht zitieren. Die Nachricht hatte kaum ihre Runde gemacht, da begann auch schon das Rutschen der Rohstoffnotierungen. Bei Gold z.B. -25 $ innerhalb weniger Stunden. Offensichtlich befürchten Banker und Börsen, dass die Politik der Finanzbranche tatsächlich Daumenschrauben ansetzen könnte.

Am Freitag notierte Platin mit 1.735,50 $/t.

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Quelle: EMFIS


London Metal Exchange (LME)


Die Klageandrohung der US-Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbanker von Goldman Sachs hat an den Rohstoffmärkten für Wirbel gesorgt. Alle Notierungen gaben z.T. erheblich nach.

KW 18 KW 17 KW 16 KW 15
Blei 2.228,00 $/t 2.275,00 $/t 2.298,50 $/t 2.224,00 $/t
Zink 2.314,00 $/t 2.385,00 $/t 2.393,00 $/t 2.324,00 $/t
Nickel 25.695,00 $/t 26.980,00 $/t 26.685,00 $/t 24.435,00 $/t
Kupfer 7.390,00 $/t 7.660,50 $/t 7.874,00 $/t 7.794,50 $/t
Äluminium 2.195,00 $/t 2.293,00 $/t 2.423,00 $/t 2.287,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Eher seitwärts als aufwärts


Die schlechten Ratings von Griechenland und Portugal haben nicht nur dem Euro, sondern auch Rohöl einen empfindlichen Schlag versetzt. Am Markt geht die Angst um, das bereits eingepreiste Wirtschaftswachstum könnte in Europa ausfallen. Der immer stärker werdende Dollar tut sein Übriges dazu. Für Einkäufer aus dem Nicht-Dollar-Raum wird die Rohölbeschaffung wesentlich teurer und damit auch unattraktiver. Alles Indizien, die ein neues Jahreshoch in ziemlich weite Ferne rücken. Dennoch legte der Erdölpreis von Donnerstagabend auf Freitagmorgen um fast 4 $/Barrel zu.

Am Freitag notierte 1 Barrel (159 l) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit 86,11 $.

KW 18 KW 17 KW 16 KW 15
WTI-Sorte 86,11 $/Barrel 83,51 $/Barrel 84,87 $/Barrel 86,14 $/Barrel


Erdgas: Kein Preishoch in Sicht


Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ließ den Erdgaspreis gewaltig abstürzen, z.B. im vergangenen September auf 2,409 $/mmBtu. In der Folge schrumpften die Fördermengen. Doch die Nachfrage schrumpfte noch mehr, während sich ein Lagertank um den anderen füllte (+17 % auf ein 5-Jahres-Hoch). Gewaltige Mengen, die keine großen Preisausschläge zulassen. Bis September (Beginn der nächsten Heizsaison) sollte sich daran nichts ändern.

KW 18 KW 17 KW 16 KW 15
Henry Hub 4,030 $/mmBtu 4,190 $/mmBtu 4,100 $/mmBtu 4,050 $/mmBtu



Chemiemarkt



Rohstoffe: So teuer wie seit langem nicht


Die Kunststoffverpackungsbranche stöhnt unter hohen Rohstoffpreisen. Seit Januar kennen die nur eine Richtung: steil nach oben. Wie die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. mitteilte, haben sie den Stand vom ersten Halbjahr 2008 erreicht. Bei Polyethylen, Ethylen und Butadien gab es bspw. Preissprünge von +100 % und mehr. Damit nicht genug, die Hersteller haben auch mit Versorgungsengpässe zu kämpfen. Durch reduzierte Cracker- und Raffineriekapazitäten in Europa sei die Situation bei Polypropylen besonders angespannt, meint IK-Hauptgeschäftsführer Ulf Kelterborn. Dazu fiele China aufgrund der starken Inlandsnachfrage als Lieferland weitgehend aus.

Mehr Infos unter: www.kunststoffverpackungen.de.


Preiserhöhungen der Woche


  • DuPont (www.dupont.com) will seit 1. Mai für Elvax® (PE-EVA) und Elvaloy® AC (Ethylenacrylat-Copolymere) 0,15 €/kg mehr haben.


Beachten Sie: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen (Transportkosten, Qualität usw.) lassen sich Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) gegenwärtig am besten auf dem US-amerikanischen Markt beschaffen, wie die Notierungen an der Londoner LME zeigen.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.315 $/t (+25 $/t) 1.350 $/t (+50 $/t)
Äsien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.400 $/t (-180 $/t) 1.180 $/t (-40 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Regeln mit Macken


Die neue UN-Konvention über die internationale Beförderung von Gütern ganz oder teilweise auf See, auch Rotterdam-Regeln genannt, ist von 20 Staaten unterzeichnet worden und wird Ende 2010 in Kraft treten. Ziel der UN-Konvention ist eine Harmonisierung und Modernisierung der bestehenden Normen und eine höhere Rechtssicherheit im internationalen Wirtschaftsverkehr. Die Konvention regelt insbesondere die Haftung für Transportschäden.

Bitte beachten Sie: Deutschland wie auch die USA und teilweise China haben die neue UN-Konvention bisher nicht unterzeichnet. Ihre wichtigsten Kritikpunkte:
  • zu detailliert, zu komplex, zu widersprüchlich.
  • ohne eine Multimodalkonvention zu sein, erfassen die Rotterdam-Regeln aber multimodale Beförderungen.
  • fragwürdige Bestimmungen für eine Warenübergabe ohne verfügbare Dokumente
Weitere Informationen finden Sie unter: www.uncitral.org/uncitral/en/uncitral_texts/transport_goods/2008rotterdam_rules.html.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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