Wochendepesche "Rohstoffalert"

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13.04.2010

Edel- und Industriemetalle



Molybdän: Der Aufsteiger des Jahres


Wohin die Reise in Sachen Rohstoff-Einkauf geht, zeigten die exorbitanten Preissprünge von bis zu +90 % bei Eisenerz in der vergangenen Woche (gegenwärtige Notierung am Spotmarkt: rund 150 $/t). Eine ähnliche Preiskarriere kann Molybdän vorweisen. Das silbrig-weiße Metall wird vor allem für hochfeste Stahllegierungen im Flugzeug- und Fahrzeugbau verwendet. Der sattsam bekannte Rohstoffhunger von China & Co. lässt die Molybdän-Schmelzen in den USA (wichtigstes Lieferland) auf Hochtouren laufen. Und damit auch die Preise. Bei zurzeit 41 $/t (LME) ist garantiert noch nicht Schluss.

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Quelle: MetalPrices.com


London Metal Exchange (LME)


Der Eindruck täuscht. Die meisten Rohstoffe haben an der LME nur eine Verschnaufpause eingelegt. Danach dürften sich die Höhenflüge fortsetzen. Codelco (www.codelco.com), der weltweit größte Kupferproduzent, sagt bspw. eine starke Nachfrage für das 2. und 3. Quartal 2010 voraus.

KW 15 KW 14 KW 13 KW 12
Blei 2.224,00 $/t 2.287,00 $/t 2.025,00 $/t 2.222,00 $/t
Zink 2.324,00 $/t 2.359,50 $/t 2.214,50 $/t 2.297,50 $/t
Nickel 24.435,00 $/t 24.925,00 $/t 22.625,00 $/t 22.225,00 $/t
Kupfer 7.794,50 $/t 7.829,00 $/t 7.346,00 $/t 7.475,00 $/t
Aluminium 2.287,00 $/t 2.287,00 $/t 2.175,00 $/t 2.243,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Die Preise bleiben oben


Ob Höchstmarken bei den Lagerbeständen (+7,2 Mio. Barrel in der vergangenen Woche allein in den USA), ob Nachfrageschwäche der OPEC-Länder oder gedeckelte Produktionsmengen der OPEC - der Ölpreis steigt und steigt. Vorläufig wird sich daran auch nichts ändern. Dazu sind die Finanzmärkte in viel zu guter Laune und die Konjunktur in den asiatischen Emergingmarkets in viel zu guter Verfassung.

Am Freitag notierte 1 Barrel (159 l) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit 86,14 $.

KW 15 KW 14 KW 13 KW 12
WTI-Sorte 86,14 $/Barrel 83,37 $/Barrel 81,10 $/Barrel 81,87 $/Barrel


Erdgas: Die Preise steigen wieder


Mit der Ruhe scheint es am Gasmarkt vorbei zu sein. Die Lage passt sich den allgemeinen Rohstoff-Entwicklungen an und das heißt für Einkäufer, sie müssen wieder mehr bezahlen. Die Preise ziehen an.

KW 15 KW 14 KW 13 KW 12
Henry Hub 4,050 $/mmBtu 3,890 $/mmBtu 4,020 $/mmBtu 4,160 $/mmBtu



Chemiemarkt



Erstaunlich ruhig


Anders als bei Metallen und Energienotierungen herrscht am Chemiemarkt weiterhin relative Ruhe. Einzelne Hersteller korrigieren zwar ihre Preise, insgesamt treten die Notierungen an der Londoner LME aber auf der Stelle, inklusive Ausrutscher nach oben und unten (siehe Kasten). Beruhigt zurücklehnen können sich Einkäufer dennoch nicht. Die auf breiter Front anziehenden Rohstoffpreise bedeuten auch für den Chemiemarkt nichts Gutes.


Preissteigerungen der Woche


  • Dow Europe (www.dow.com) samt Tochterunternehmen legen nach. Die erst am 24. März verkündeten Preiserhöhungen für Polystyrol, ABS und SAN-Produkte ziehen noch einmal um 30 €/t an. Die kompletten Steigerungen für Produkte der Styron- und Styron-A-Tech-Serie belaufen sich damit auf 130 €/t. Für Magnum ABS und Tyril SAN will Dow 180 €/t mehr haben.
  • DuPont (www.dupont.com) verlangt zum 15. April mehr für technische Kunststoffe. Die Preiserhöhung beträgt bis zu 0,30 €/kg für die Mehrzahl der Zytel® Polyamide, Minlon® mineralverstärkte Polyamide sowie Delrin® Polyacetale. Für Sondertypen und -farben aller DuPont Thermoplast-Produktfamilien sind noch stärkere Anhebungen möglich!


Beachten Sie: In der gegenwärtigen Situation ist das Minus von über 100 $/t bei den nordamerikanischen PE-Notierungen an der Londoner LME geradezu eine Sensation.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.270 $/t $/t (+25 $/t) 1.210 $/t (+-0 $/t)
Asien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.570 $/t (+-0 $/t) 1.380 $/t (-115 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



3 wichtige Importhelfer für Sie


Nicht selten ist die Rohstoffbeschaffung wie ein Jongleurspiel. Als Einkäufer müssen Sie vier, fünf oder sechs Kugeln in der Luft halten. Ein Kunststück, bei dem Sie sich helfen lassen sollten:
  1. Auslandshandelskammern: Für Global Sourcer sind die deutschen Auslandshandelskammern (AHK) die erste Anlaufstelle. 1.400 Mitarbeiter in über 80 Ländern rund um den Globus stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Mehr erfahren Sie unter: www.ahk.de.
  2. 2.Banken: Ihre Hausbank kann in der Regel weit mehr, als nur die Zahlungen Ihrer Importgeschäfte abzuwickeln. In der Außenhandelsabteilung sitzen viele Experten mit detaillierten Sach- und Rechtskenntnissen über die jeweiligen Lieferländer.
  3. Logistikdienstleister: Mindestens ebenso wichtig wie der eigentliche Einkauf ist ein fachgerechter und zuverlässiger Transport Ihrer Waren. Die besten Logistikdienstleister finden Sie unter www.dvz.de.


Praxis-Tipp


Vergessen sollten Sie bei Ihren Rohstoffeinkäufen auch nicht die professionellen Importeure. In Deutschland gibt es rund 10.000 von ihnen, viele mit jahrzehntelangen Erfahrungen. Ihre Full-Service-Leistungen machen häufig eine eigene Importabteilung überflüssig. Angebote finden Sie unter: www.schober.com.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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