Wochendepesche "Rohstoffalert"

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06.04.2010

Edel- und Industriemetalle



Stahlmarkt: Die Zeichen stehen auf Sturm


Dass der Stahlmarkt spätestens im 2. Quartal aus seiner Winterruhe erwachen würde, war allgemein vermutet worden. Schon seit Februar gingen die Preise für die wichtigsten Rohstoffe (Erz, Schrott, Koks) in die Höhe. Aufschläge von bis zu 100 Ô`Č/t waren eher die Regel als die Ausnahme. Für Stahleinkäufer wurde das Terrain also zunehmend steiniger. Weit Schlimmeres droht ihnen, wenn der weltweit größte Eisenerzproduzent, Vale (www.vale.com), seine Ankündigung wahr macht und auf breiter Front Preisaufschläge von 90 % verlangt, wie gerade erst bei Kontraktverhandlungen mit japanischen und chinesischen Stahlunternehmen geschehen. Seit 1. April zahlen sie Vale zwischen 100 und 150 $/t Eisenerz.

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Quelle: SPAETER-Gruppe (Tonnenpreise in CHF)


London Metal Exchange (LME)


Komplett gedreht hat sich auch der Metallmarkt. Die Preisrakete von Vale hat alle Industriemetalle mit in die Höhe gerissen. Für Einkäufer werden die Zeiten deutlich härter.

KW 14 KW 13 KW 12 KW 11
Blei 2.287,00 $/t 2.025,00 $/t 2.222,00 $/t 2.240,00 $/t
Zink 2.359,50 $/t 2.214,50 $/t 2.297,50 $/t 2.305,00 $/t
Nickel 24.925,00 $/t 22.625,00 $/t 22.225,00 $/t 22.300,00 $/t
Kupfer 7.829,00 $/t 7.346,00 $/t 7.475,00 $/t 7.384,00 $/t
Aluminium 2.287,00 $/t 2.175,00 $/t 2.243,00 $/t 2.194,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Psychologische Preise


Wirtschaft und Verbraucher fassen im weltgrößten Ölverbrauchsland USA wieder Vertrauen und fragen mehr Rohöl nach. Die Folge: Die Preise steigen weiter. Dabei haben sich die Fundamentaldaten am Ölmarkt keineswegs verändert. Die OPEC fördert so viel Öl wie seit langem nicht mehr. Allein Nigeria hat seinen Ausstoß auf aktuell 2,6 Mio. Barrel pro Tag hochgeschraubt, 600 Tsd. Barrel mehr als geplant. In den übrigen OPEC-Ländern sieht es nicht anders aus. Entwicklungen, die einem neuen Auftrieb eigentlich entgegenstehen. Fazit: Psychologie und übertriebene Erwartungen machen derzeit die Preise.

Am Donnerstag notierte 1 Barrel (159 l) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit 83,37 $.

KW 14 KW 13 KW 12 KW 11
WTI-Sorte 83,37 $/Barrel 81,10 $/Barrel 81,87 $/Barrel 82,27 $/Barrel


Erdgas: Niedrige Preise locken Spekulanten an


Der Gasmarkt scheint gegenwärtig das Auge des Hurrikans zu sein. Während die Außenwelt verrückt spielt, herrscht im Zentrum Friedhofsruhe. Ein Spannungsgefälle, das immer mehr Spekulanten anlockt.

KW 14 KW 13 KW 12 KW 11
Henry Hub 3,890 $/mmBtu 4,020 $/mmBtu 4,160 $/mmBtu 4,450 $/mmBtu



Chemiemarkt



Kommt der Preisfrühling?


In den vergangenen Wochen herrschte am Chemiemarkt relative Ruhe. Die Preiserhöhungen der einzelnen Unternehmen waren eher als Korrekturen denn als durchgängige Preisauftriebe zu verstehen. Nach Ostern könnte sich das Blatt wenden. Darauf deutet eine Angebotsverknappung besonders in Europa bei gleichzeitig steigender Nachfrage hin. Einige Hersteller und Händler waren vor den Feiertagen total ausverkauft. Noch herrscht an der Londoner LME Ruhe (siehe unten). Sich weiter verteuernde Vorprodukte lassen aber nichts Gutes ahnen.


Preissteigerungen der Woche


  • Evonik (www.evonik.com) Ab 1. Mai 7 % mehr für die Produktlinien VESTAMID®, VESTOSINT®, VESTAMELT®, TROGAMID® und VESTENAMER®. 12 % mehr für High Performance Polymere.
  • DSM (www.dsmep.com) Bereits zum 1. April 2010 sind die Preise für PA6 and PA66 Compounds um 250 €/t gestiegen.
  • LANXESS (www.lanxess.com) Zeitgleich hat LANXESS seine weltweiten Preise auf 300 €/t für CR (Chloropren-Kautschuk) angehoben.
  • BASF (www.basf.de) Mehr für Styrolcopolymer-Kunststoffe. Zum 1. April 2010 sind die Europapreise für Terluran (ABS) um 200 €/t, für Styrolux (SBC) um 175 €/t und für Luran (SAN) um 150 €/t gestiegen. Um 180 €/t mehr verlangt der Konzern auch für ihre Styrol-Acrylat- und Reinacrylat-Dispersionen. Für Styrol-Butadien-Dispersionen +180 €/t und für Acrylatharze und redispergierbare Polymerpulver +250 €/t.


Beachten Sie: Die Londoner LME meint es weiter gut mit Chemikalien-Einkäufern. Wohin die Reise geht, zeigen aber die Metallpreise.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.245 $/t (+25 $/t) 1.210 $/t (+-0 $/t)
Asien 1.240 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.570 $/t (+-0 $/t) 1.495 $/t (-35 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Lohnt sich der Einkauf in den mittel-osteuropäischen Ländern (MOE) noch?


Die Universität Würzburg und das Centrum für Supply Management GmbH (CfSM) laden zu einem Praxisforum "Sourcing in Mittel- und Osteuropa" ein. Die Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas haben unter der Krise besonders schwer gelitten und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Da kommen für Einkäufer viele Fragen auf:
  • Welche grundsätzlichen Veränderungen ergeben sich aus der Krise?
  • Lohnt für mich MOE-Sourcing noch?
  • Wie hole ich das Beste aus einer Beschaffung im Osten heraus?
Einkaufs-Experten um Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky werden Ihnen darauf Antwort geben.

Wann: 15.04.2010
Wo: Universität Würzburg, Sanderring 2, 97070 Würzburg
Seminarpreis: 245 € bzw. 195 € für BME-Mitglieder (jeweils zzgl. MwSt.)
Informationen: www.supply-markets.com/moe
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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