Wochendepesche "Rohstoffalert"

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23.02.2010

Edel- und Industriemetalle



Gold: Wieder im Aufwind


Der Euro-Preis erreichte in der zurückliegenden Woche sogar ein Allzeithoch von 818 €/Feinunze. Aber auch die Freitagnotierung von 1.107,60 $/Feinunze kann sich sehen lassen, überspringt sie doch wieder die psychologisch wichtige 1.100-$-Marke. Eine ziemlich vorhersehbare Entwicklung. Denn die Angst vor steigenden Inflationszahlen in aller Welt und die weiter schwelende Währungskrise im Euroraum (Stichwort Griechenland) lässt Anleger derzeit massenweise ins Gold flüchten.

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Beachten Sie: Nicht nur der Preisauftrieb bei Gold wirkt auf die Industriemetalle ansteckend, sondern auch eine gestiegene Materialnachfrage. Alle Notierungen zogen an der London Metal Exchange (LME) teils kräftig an:

aktuell Vorwoche
Blei 2.238,00 $/t 2.060.00 $/t
Zink 2.250,00 $/t 2.151,00 $/t
Nickel 20.230,00 $/t 17.940,00 $/t
Kupfer 7.085,00 $/t 6.672,00 $/t
Aluminium 2.076,00 $/t 2.012,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Vorläufige Preise


Dagegen bedeuten die WTI-Notierungen vom Freitag mit 77,91 $/Barrel (Vorwoche: 75,82 $/Barrel) nicht automatisch einen bevorstehenden Höhenflug der Preise. Vielmehr machen ein freundlicher Aktienmarkt und ein etwas schwächerer US-Dollar den gegenwärtigen Preis möglich. Gegen einen andauernden Höhenflug stehen auch weiterhin enorme Lagerbestände, eine steigende OPEC-Produktion und die schwache Nachfrage der westlichen Industrieländer. Die Tankerraten für die Route Mittlerer Osten-Japan fielen bspw. innerhalb der letzten Woche um 17 % und für die Route Mittlerer Osten-USA um knapp 7 %.


Erdgas: Fallende Preise


Vom Auftrieb des gesamten Rohstoffsektors kann die US-Erdgassorte Henry Hub wenig bis nicht profitieren. Selbst sich langsam leerende Lagertanks und rückläufige Produktionszahlen ändern nichts an der Negativbilanz. Am Freitag kostete amerikanisches Erdgas 5,160 $/mmBtu (Vorwoche: 5,370 $/mmBtu).



Chemiemarkt



Die MOE-Produzenten haben sich verkalkuliert


Ihre teilweise drastischen Aufschläge der vergangenen Wochen widersprachen nicht nur den realwirtschaftlichen Rahmendaten, sie wurden auch nicht vom Markt akzeptiert. Besonders polnische Verkäufer hatten wegen eines starken Zloty alle Mühe, ihre Ware an den Mann, sprich Einkäufer zu bringen. Sie waren auch die ersten, die zu Nachlässen bereit waren, so winzig die auch immer ausgefallen sind. Einige Preisbeispiele:

aktuell Veränderung zur KW04/2010
PS 1.149 €/t -7 €/t
PE-HD Folie 1.003 €/t -7 €/t
PE-HD Rohre 1.098 €/t -8 €/t
PP-Copo 1.000 €/t +4 €/t
PP-Folie 988 €/t +2 €/t

Mehr Preise finden Sie unter: www.plasportal.com


Beachten Sie: Mit dem immer gleichen Argument steigender Material- und Frachtkosten haben weitere Chemie-Konzerne Preisanhebungen angekündigt:
  • Songwon (www.songwonind.com) will ab 1. April um bis zu 15 % mehr für seine Kunststoff-Additive Songnox® Antioxidantien, Songlight® und Songsorb® UV-Stabilisatoren, Songstab Säurefänger sowie für seine verschiedenen Amino-Antioxidantien haben.
  • Dow Europe (www.dow.com) erhöht die Preise ab 1. März für Polycarbonate, Polycarbonat Compounds und Polycarbonate Blends um 300 €/t.
  • Oxea (www.oxea-chemicals.com), ein weltweiter Anbieter für Lösemittel, Polyole und Oxo-Derivate, verlangt ab sofort mehr für 2-Ethylhexansäure (+100 €/mt), Buttersäure (+50 €/mt) und Neopentylglykol sowie Trimethylpropan (je +300 €/mt).


Uneindeutig zeigte sich dagegen die Preisentwicklung an der Londoner LME für Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD):

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.165 $/t (+20 $/t) 1.220 $/t (+-0 $/t)
Asien 1.240 $/t (+20 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.580 $/t (+-0 $/t) 1.445 $/t (+5 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Neue Lieferanten-Datenbank


Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) hat eine globale Lieferanten-Datenbank mit Namen "BME QualitySourcing" ins Netz gestellt. Vom Start weg verfügt das neue Online-Portal über 400 zertifizierte Lieferanten aus China, Indien, Indonesien, Thailand und Taiwan mit dem Schwerpunkt Low-Cost-Country-Sourcing. Nach dem Probelauf sollen es zehn Mal so viele sein, dann auch mit Lieferquellen aus Osteuropa und Nord- und Südamerika.
Bevor Zulieferer den Sprung in die Datenbank schaffen, werden sie von einem BME-Team "anhand eines standardisierten detaillierten Qualitätsschemas" auf Herz und Nieren geprüft, erklärte BME-Hauptgeschäftsführer Holger Hildebrandt bei der Vorstellung des neuen Portals. Mit von der Partie seien dabei der TÜV Rheinland mit seinem Rating-System "TÜV Rheinland Star", das Suzhou Industrial Park Administrative Committee (China) und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ).

Beachten Sie: Den englischsprachigen Service (wahlweise auch chinesisch) können BME-Mitglieder kostenfrei nutzen. Nichtmitglieder zahlen 1.000 € pro Jahr.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.bmequalitysourcing.com.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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