Wochendepesche "Rohstoffalert"

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16.02.2010

Edel- und Industriemetalle



Zink: Kurzes Zwischenhoch


Nicht der erwartete Mehrverbrauch der Metallverarbeiter (Legierungen, Schutzbeschichtungen) hat den Preisverfall für Zink in der vergangenen Woche gestoppt, sondern Hoffnungen auf die Europäische Zentralbank, die Haushaltsdefizite der PIGS (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) rasch wieder in den Griff zu bekommen (was allerdings erst noch zu beweisen wäre). Nachrichten jedenfalls, die die US-Währung gegenüber dem Euro wieder weicher werden ließen und im Gegenzug die Preise der meisten Industriemetalle fester.

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Beachten Sie: Eine mögliche neue Dollarschwäche hinterlässt auch Spuren an der London Metal Exchange (LME). Die meisten Industriemetalle legten zu:

aktuell Vorwoche
Blei 2.060.00 $/t 2.000,00 $/t
Zink 2.151,00 $/t 2.082,00 $/t
Nickel 17.940,00 $/t 18.250,00 $/t
Kupfer 6.672,00 $/t 6.570,00 $/t
Aluminium 2.012,00 $/t 2.051,50 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Vermutungen treiben die Preise, nicht Fakten


In der vergangenen Woche veröffentlichten drei Schwergewichte der Branche ihre Prognosen für 2010 und sorgten damit für einige Unruhe am Preismarkt:
  • Dank einer höheren Nachfrage in Asien erwartet das US-Energieministerium (www.eia.doe.gov) einen Anstieg des weltweiten Ölbedarfs um 120 Tsd. auf 1,2 Mio. Barrel/Tag.
  • Die OPEC (www.opec.org) ist weniger optimistisch und sieht lediglich ein Plus von 810 Tsd. Barrel pro Tag.
  • Dagegen hält die Internationale Energieagentur IEA (www.iea.org) sogar einen Nachfrageanstieg um 170 Tsd. Barrel pro Tag auf 1,6 Mio. Barrel/Tag für möglich.
Die Nachrichten waren noch nicht unters Volk gestreut, da zog der Ölpreis für die Sorte WTI auch schon kräftig an. Lag er vor Wochenfrist noch bei 72,73 $/Barrel, sind es gegenwärtig 75,82 $/Barrel.


Erdgas: Gazprom will 10 % mehr


Auch der russische Monopolist Gazprom wartete mit Neuigkeiten auf. In diesem Jahr will er seine Ausfuhren in die EU um 15 % auf 160,8 Mrd. m³ aufstocken. Hinaufsetzen wird Gazprom dabei auch gleich seinen Abgabepreis. Am Mittwoch hat das Moskauer Hauptquartier +10 % oder 235,4 €/1.000 m³ (326 $) angekündigt.
Dagegen ist der US-Gaspreis (Henry Hub Natural) über die Woche leicht zurückgegangen - von 5,430 $/mmBtu auf aktuell 5,370 $/mmBtu.



Chemiemarkt



PET: Die Preise gehen weiter nach oben


Was sich bereits zum Jahreswechsel ankündigte, setzt sich fort, die Preise ziehen an:
  • Europa: Allein im Januar wurden die europäischen PET-Preise viermal angehoben. In diesem Monat wird sich der Auftrieb vermutlich noch beschleunigen, da allmählich die Vorproduktion für die Getränkehochsaison anläuft. Ware für den Spotmarkt gibt es so gut wie nicht mehr. Gegenwärtiger Durchschnittspreis: 1.185 €/t (frei geliefert).
  • Asien: Auch die asiatischen Hersteller halten die Hände auf. Vor 4 Wochen kostete PET in Korea, Taiwan, China, Indien und Südostasien noch 1.180 bis 1.220 $/t. Heute sind es im Durchschnitt 1.300 $/t (FOB)
Beachten Sie: Seit Montag verlangt die holländische DSM Composite Resins (www.dsm.com) 9-12 % mehr für ihre gesamte Produktpalette ungesättigter Polyester-Harze (UPR) und Gelcoat-Produkte.
An der LME in London ging es dagegen vergleichsweise ruhig zu. Die Notierungen für Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) blieben konstant. Einziger Ausrutscher: die US-Werte.

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.145 $/t (-10 $/t) 1.220 $/t (+-0 $/t)
Asien 1.210 $/t (+-0 $/t) 1.340 $/t (+-0 $/t)
USA 1.580 $/t (+110 $/t) 1.400 $/t (+-0 $/t)
(Veränderungen zur Vorwoche in Klammern)



Importpraxis



Vorsicht: Dreister Betrugsversuch!


Unter dem Deckmantel des seriösen Logistik-Dienstleisters "FedEx" (www.FedEx.com) verschicken Internet-Betrüger zurzeit dubiose Zahlungsaufforderungen. Meist getarnt als "FedEx Delivery Service".
In der E-Mail (fedex.deliveryunit6@live.com) erfährt der Adressat, dass ein Freund Fracht in seinem Namen aufgegeben hätte ("the Package was registered by your friend currently undergoing survey project with Construction Company in West Africa"). Alles sei auch schon bezahlt ("Shipping charges as well as Insurance fees have been paid by your colleague"). Nur die Zollgebühren stünden noch offen ("The only payment you are to make is £230 GBP to the FedEx Delivery Department for Customs delivery clarification forms").

Mehr Informationen finden Sie unter: www.fedex.com/de/about/fraudulent_use.html
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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