Wochendepesche "Rohstoffalert"

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19.01.2010

Edel- und Industriemetalle



Silber: Bald wieder bei 19 $/Feinunze


Vor gut 6 Wochen hatten die Silbernotierungen schon einmal die 19-$-Latte gerissen, um dann tief in den Keller zu rutschen. Gut möglich, dass sich dieses Szenario in den nächsten Wochen wiederholt. Eine global steigende Nachfrage auf der Abnehmerseite deutet auf einen weiteren Preisauftrieb hin. Der aber dürfte immer wieder unterbrochen werden, da auf Anbieterseite viel Material auf den Markt geworfen wird. So hat z.B. Branchenprimus Endeavour Silver seine Silberproduktion im Jahre 2009 um 11 % auf 2,6 Mio. Feinunzen gesteigert.

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Beachten Sie: An der London Metal Exchange (LME) ging es bis auf Nickel und Zink auch mit den Industriemetallenpreisen weiter nach oben:

aktuell Vorwoche
Blei 2.450,00 $/t 2.390,00 $/t
Zink 2.492,00 $/t 2.569,00 $/t
Nickel 18.345,00 $/t 18.475,00 $/t
Kupfer 7.453,00 $/t 7.345,00 $/t
Aluminium 2.292,00 $/t 2.206,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Reale Preise


Nach Bekanntwerden der US-Lagerbestandsdaten in der vergangenen Woche sind die WTI-Notierungen zweitweise auf 78,20 $/Barrel gefallen, dem niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Ein Preis, der die realwirtschaftlichen Verhältnisse wesentlich besser widerspiegelt als die spekulativen Notierung der Vorwoche von 82,60 $/Barrel und mehr. Die Bestände sind nämlich laut US-Energieministerium um 3,7 Mio. Barrel gestiegen und damit mehr als doppelt so stark wie erwartet. Die WTI-Sorte lag am Freitag bei 78,90 $/Barrel.


Erdgas: Eine Winterpause in den USA lässt die Preise purzeln


Kurz vor seinem 12-Monats-Hoch von 5,950 $/mmBtu ist der Erdgaspreis wieder nach unten abgeknickt. Der Grund: wärmere Temperaturen in den USA. Anders als in Europa liegen sie dort deutlich über den Normalwerten. Die Freitagnotierung: 5,570 $/mmBtu (Vorwoche: 5,830 $/mmBtu).



Chemiemarkt



2013: Verbrauch von Biokunststoffen soll sich vervierfachen


900.000 t im Wert von rund 2,6 Mrd. $ prognostiziert die US-Marktforschungsfirma Freedonia (www.freedoniagroup.com). Bis 2018 sollen dann noch einmal gut 2 Mio. t (mehr als 5 Mrd. $) dazukommen. Bis es so weit ist, müssen die Hersteller aber erst einmal ihre hohen Produktions- und Kapitalkosten bei der großtechnischen Umsetzung deckeln. Eine gewaltige Hürde, die der (Preis-)Akzeptanz bei den Abnehmern entgegensteht.

Beachten Sie: Über die Preisentwicklungen an den traditionellen Chemiemärkten dürften sich schon heute Einkäufer die Augen reiben. An der LME in London haben die Notierungen von Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE-LLD) kräftig zugelegt (Veränderungen zur Vorwoche in Klammern):

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.115 $/t (+35 $/t) 1.175 $/t (+40 $/t)
Asien 1.155 $/t (+40 $/t) 1.315 $/t (+100 $/t)
USA 1.320 $/t (+120 $/t) 1.330 $/t (+70 $/t)



Importpraxis



Juristische Stolpersteine einer Einkaufskooperation


Um Einkaufskooperationen zum Laufen zu bringen, müssen Sie nicht nur viele organisatorische Fragen klären, sondern auch juristische. Dazu gehören:
  • Einkaufskooperationen sind nur dann vom Kartellverbot freigestellt, wenn Sie und Ihre Partner die Effizienzvorteile auch an die Verbraucher weitergegeben. Denn aus juristischer Sicht könnte die Nachfragebündelung einer solchen Kooperation zu einem manipulierten Nachfrageverhalten und damit zu einer Wettbewerbsbeschränkung führen (Verstoß gegen das Verbot des § 1 GWB und des Art. 81 Abs. 1 EGV).
  • Die Prüfung der Freistellungsfähigkeit nach § 2 GWB und Art. 81 Abs. 3 EGV anhand der "Leitlinien zur Anwendbarkeit von Art. 81 EGV auf Vereinbarungen über horizontale Zusammenarbeit" der EU. Danach sind Einkaufskooperationen mit kumulierten Marktanteilen (Beschaffung, Absatz) von jeweils unter 15 % wettbewerblich unbedenklich.
  • Bei darüber liegenden Marktanteilen sind die aus der Kooperation entstehenden Leistungsgewinne sorgsam mit den beschränkenden Marktauswirkungen abzuwägen.
Beachten Sie: Für diese Abwägung geben Ihnen die EU-Leitlinien Beurteilungskriterien vor.
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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