Wochendepesche "Rohstoffalert"

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12.01.2010

Edel- und Industriemetalle



Platin: Preisanstieg

Nach einem Allzeithoch von 2.308 $/Feinunze vor genau einem Jahr folgte im Sommer 2009 der Absturz auf ein Allzeittief von 752 $/Feinunze. Seitdem haben sich die Notierungen mehr als verdoppelt - auf aktuell rund 1.600 $. Vor diesem Hintergrund erscheint sogar das Erreichen des Allzeithochs nicht ganz abwegig.

Realwirtschaftlich hat dieser Kursanstieg allerdings kein Fundament. Dafür fragt
  1. die Autoindustrie, der größte industrielle Abnehmer, deutlich weniger Material nach und
  2. setzten Entwickler und Hersteller immer häufiger auf das billigere Substitut Palladium.

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Beachten Sie: Die Industriemetalle legten an der London Metal Exchange (LME) in der ersten Januarwoche kräftig zu:

aktuell Vorwoche
Blei 2.590 $/t 2.390,00 $/t
Zink 2.634 $/t 2.569,00 $/t
Nickel 18.745 $/t 18.475,00 $/t
Kupfer 7.593 $/t 7.345,00 $/t
Aluminium 2.306 $/t 2.206,00 $/t



Energiemarkt



Erdöl: Spekulanten und Politiker treiben die Preise

Wirtschaftliche Fundamentaldaten rechtfertigen die jüngsten Preissprünge jedenfalls nicht. Denn der durchgreifende Wirtschaftsaufschwung mit einem vermehrten Rohölbedarf lässt, mit Ausnahme von China, weiterhin auf sich warten. Verantwortlich gemacht werden können für den Auftrieb:
  • die zunehmenden Spekulationsneigungen an den Börsen. Für Anleger ist es wieder attraktiv geworden, in Rohöl-Werte zu investieren.
  • Ängste um einen Handelskrieg zwischen Russland und Weißrussland. Als am Mittwoch Nachrichten durchsickerten, Moskau könne den Weißrussen den Erdölhahn zudrehen, stieg der WTI-Ölpreis sofort um 2,7 %. Die Notierung vom Freitag: 82,86 $/Barrel.


Erdgas: Die Kälte heizt den Preisen ein

Beispiel Großbritannien: Die ungewohnte Kälte hat dort den Gaspreise um über 30 % in die Höhe getrieben. Aber auch anderswo auf der nördlichen Erdkugel fachen die frostigen Temperaturen das gerade erst zur Ruhe gekommene Preisfeuer erneut an. Mit 5,830 $/mmBtu ist der Erdgaspreis seinem 12-Monats-Hoch von 5,950 $/mmBtu verdammt nah.



Chemiemarkt



PET: Neues Jahr, neue Preise

Mit einem Plus von 50 bis 60 €/t setzt sich der Dezemberauftrieb bei den europäischen PET-Preisen untypischerweise auch im Januar fort (nach dem Ende der Getränkehochsaison sind eigentlich fallende Preise bis Ende Februar üblich). Gegenwärtig wird europäisches PET mit 1.115 €/t gehandelt (frei geliefert). Mit weiteren Steigerungen muss gerechnet werden. Im Gegensatz dazu gehen in Asien die Preise nach wochenlangem Auftrieb (deutlich über 1.200 $/t) leicht zurück. Zurzeit liegen sie bei 1.180 bis 1.195 $/t (FOB).

Beachten Sie: Der niederländische Chemiekonzern LyondellBasell hat seine Europapreise für alle PE- und PP-Typen angehoben. Seit 1. Januar verlangen die Holländer 100 € mehr pro Tonne. Zugelegt haben auch viele Notierungen an der LME in London (Veränderungen zur Vorwoche in Klammern).

Polypropylen Polyethylen
Europa 1.075 $/t (+-0 $/t) 1.135 $/t (+-0 $/t)
Asien 1.115 $/t (+35 $/t) 1.215 $/t (+-0 $/t)
USA 1.200 $/t (+90 $/t) 1.260 $/t (+120 $/t)



Importpraxis



Literatur-Tipp: Chefsache Einkauf

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Autor: Christian A. Rast
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Verlag: Campus 2008
ISBN: 978-3-593-38711-6
Preis: 39,90 € (255 Seiten)
Ihr

Jens Holtmann
Chefredakteur "Rohstoffeinkauf aktuell"
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